Festpreis-Urteil Doc Morris und Co. müssen Geschäftsmodell verändern

Ausländische Online-Apotheken dürfen ihren Kunden keine Rabatte mehr auf verschreibungspflichtige Medikamente gewähren. Das hat Folgen: Die Celesio-Tochter Doc Morris und andere brauchen eine neue Strategie.
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Die Online-Apotheke Doc Morris benötigt nach dem Festpreis-Urteil eine neue Strategie. Quelle: dpa

Die Online-Apotheke Doc Morris benötigt nach dem Festpreis-Urteil eine neue Strategie.

(Foto: dpa)

FrankfurtAusländische Versandapotheken wie Doc Morris und Co. dürfen ihren Kunden in Deutschland künftig keine Rabatte mehr auf verschreibungspflichtige Medikamente einräumen und müssen sich an die deutsche Preisbindung halten. Das folgt aus der Entscheidung des Gemeinsame Senats der obersten Gerichtshöfe des Bundes in Karlsruhe vom Mittwoch. Geklagt hatte ein deutscher Apotheker gegen die niederländische Versandapotheke Europa Apotheek, die ihren Kunden Rabatte zwischen 2,50 und 15 Euro pro verordneter Packung gewährt hatte.

Das Urteil hat weitreichende Folgen für das Geschäftsmodell der Europa Apotheek Venlo wie auch Doc Morris. Beide Apotheken sind bewusst vor mehr als einem Jahrzehnt kurz hinter die deutsch-niederländischen Grenze gezogen, weil Arzneimittelversand damals in Deutschland nicht erlaubt war.

Seit Jahren machen die niederländischen Versandapotheken mehr als 80 Prozent ihres Umsatzes mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln. Doc Morris hatte als Marktführer im vergangenen Jahr 327 Millionen Euro umgesetzt, die Europa Apotheek Venlo 250 Millionen Euro.

Die Kunden kommen vor allem aus Deutschland – angelockt durch die stattlichen Rabatte senden sie ihre Rezepte in die Niederlande und bekommen die Medikamente auf dem Postweg zugestellt. Werden diese Rabatte nun künftig nicht mehr gewährt, ist es für deutsche Kunden deutlich weniger attraktiv, bei den ausländischen Versandapotheken zu bestellen.

Wie Doc Morris und die Europa Apotheek künftig ihre Geschäftsstrategie aufstellen wollen, dazu war von den Unternehmen zunächst nichts zu erfahren. Der Mutterkonzern von Doc Morris, der Pharmahändler Celesio, will sich offiziell nicht zu dem Urteil äußern. Celesio ist dabei, Doc Morris zu verkaufen, weil das 2007 für mehr als 220 Millionen Euro erworbene Unternehmen nicht mehr zur Strategie des Unternehmens passt. Mittlerweile hat Celesio 191 Millionen Euro auf Doc Morris abgeschrieben, zuletzt 120 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2012.

Weiteren Abschreibungsbedarf nach dem Urteil von Mittwoch gibt es wohl nicht, meint Commerzbank-Analyst Volker Braun. Bei der Mitte August verkündeten Abschreibung war bereits bekannt, dass auch die Bundesregierung im neuen Arzneimittelgesetz, das bereits vom Bundestag verabschiedet worden ist, die Preisbindung für ausländische Versandapotheken festschreiben will. Dass somit das bisherige Geschäftsmodell von Doc Morris verändert werden muss, dürften auch die potenziellen Kaufinteressenten von Doc Morris, mit denen Celesio nach eigenen Angaben derzeit spricht, bei ihrer Unternehmensbewertung bereits berücksichtigt haben.

Der Gemeinsame Senat der obersten Gerichtshöfe entscheidet sehr selten. Er war zusammengekommen, weil Bundesgerichthof und Bundessozialgericht in verschiedenen Verfahren die Frage, ob ausländische Versandapotheken dem deutschen Arzneimittelpreisrecht unterliegen, unterschiedlich beantwortet hatten.

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20 Kommentare zu "Festpreis-Urteil: Doc Morris und Co. müssen Geschäftsmodell verändern"

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  • das war ja klar. Wettbewerb überall, überall, und gerade auf dem Arbeitsmarkt. Nein, nicht überall. Denn die Arbeitnehmer, deren Stundenlöhne sinken, düren nicht versuchen, auf Wettbewerb bei ihren Ausgaben zu hoffen. Kein Wettbewerb bei den Apotheken, obwohl das Modell DocMorris doch zeigt, wieviel Marge da drin steckt. Kostenloser Brief hin, kostenloses Paket zurück und noch einen Rabatt und dennoch Gewinn.

    Es kotzt einen an, dass die gleichen Politiker, die Schlecker aus ordnungspolitischen Gründen (zu Recht) pleite gehen lassen und aus den gleichen Gründen den schlecht bezahlten Schleckerfrauen eine Transfergesellschaft verweigern, bei ihrer Klientel den Apothekern den Wettbewerb ausschalten. FDP stellt Wirtschafts- und Gesundheitsminister. Ist klar.

    Wie kann es sein, dass sich in meinem Dorf (Mittelzentrum) in 500 m Radius 3 Apotheken halten ? Während viele andere Läden alle zu machen...

    Die Politik ist mal wieder so lachhaft. Immerhin war man sich bei den Bundesrichtern nicht einig.

  • Diese geldgierigen Apotheker verkaufen vornehlich nur noch Firlefanz.Benötigte Medikamente müssen meistens bestellt werden,und dann ist wieder ein erneuter Gang zur Abholung fällig,dann kann ich gleich bei Doc Morris bestellen. Nach diesem Urteil werde ich jetzt alles bei Doc Morris bestellen.jetzt erst recht.

  • Diese [...]Apotheker scheinen es mit Hilfe ihrer Splitterpartei ([...] FDP) wieder mal geschafft zu haben, den bedürftigen und chronisch Kranken eine Möglichkeit zu nehmen, ihre Medikamente etwas preisgünstiger zu beziehen. Das Perfide daran ist, das auch noch mit dem Argument der Sorge um den Patienten, er könnte durch Preisvergleich nicht rechtzeitig seine Therapie beginnen.
    Man kann nur noch hoffen, dass diesem Apotheker/FDP Schwachsinn durch Europa Einhalt geboten wird.

    Detlef

    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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  • So nicht, ich bin seit Jahren Kunde bei DocMorris und werde es auch zukünftig bleiben.

  • Das ist wieder so ein Urteil gegen den Bürger und den kleinen Mann, ihm wird der kleine Preisvorteil natürlich nicht vergönnt von der Apotheker Lobby und deren Klientelpartei. Schlimm, daß sogar die höchsten Richter mit von der Partie sind.

  • Die Mehrzahl der Deutschen sind domestizierte Trottel, denen kann man alles erzählen und alles mit ihnen machen. Wie soll sich auch etwas ändern, wenn über die Politiker zwar geschimpft, aber danach die Wahl boykotiert wird, statt andere Parteien zu wählen. Die Zahl der Nichtwähler steigt ständidg.

  • Ja, und das selbe bitte bei Benzin auch einführen. In der DDR hat dieses System auch wunderbar funktioniert.

  • Frau Aigner (CSU), Herren Rösler und Bahr(FDP) sind jetzt dran. Deshalb wird auch nichts passieren.

  • Ja, lieber bevormundender Obrigkeitsstaat,

    es ist gut, daß wir Dummköpfe nicht selber entscheiden, wo
    wir Medikamente einkaufen.
    Es ist gut, daß wir Dummköpfe nach wie vor nicht wissen
    dürfen, was und wie die Ärzte bei den durch uns finanzier-
    ten Ersatzkassen abrechnen. Es ist aber gut, daß es davon viele mit gutbezahltem Wasserkopf gibt, deren Spielregeln nicht wir, die wir zahlen, sondern Du, lieber Staat,
    festsetzt.
    Es ist gut, daß wir Dummköpfe nicht entscheiden durften,
    welche Rechte wir als Gesellschaft an eine nichtlegiti-
    mierte Kommissaren-Gruppe in Brüssel für ein nebulöses
    "Europa" abtreten.
    Es ist gut, daß wir Dummköpfe nicht über die Einführung
    einer gemeinsamen Währung abstimmen durften, das zwar
    nach der Phrasendreschmaschine "Jahrhundertprojekt" ge-
    nannt wird, aber für uns Flachschädel, die wir Probleme
    und Aufgaben hier und jetzt lösen müssen, viiieeel zu
    kompliziert ist.
    Damit die Bevormundung noch länger dauern kann, ist es
    gut, daß wir Dummköpfe weiterhin bei Wahlen Parteien und
    Listen wählen, die Ihr, liebe Parteien-Personalstellen,
    nach Eurem Gutdünken aufstellt, um uns, den Dummköpfen,
    das Gefühl zu geben, wir hätten eine Wahl, bei der jedoch das Ergebnis keine großen Variationen liefern kann!
    Es ist sogar gut, daß Ihr Eure in der Liste aufgestell-
    ten und gewählten Kandidaten mit dem "Fraktionszwang" davor bewahrt, ein altmodisches Buch wie das Grundgesetz
    zu lesen, wo drin steht, ..der Abgeordnete ist nur sei-
    nem Gewissen verpflichtet..!
    Unabhängige Politiker mit Grundgesetzkenntnissen müssen vor sich selber geschützt weden. Sie erscheinen erst gar nicht auf Eurer Wahlliste.
    Ihr tut gut daran und fahrt gut damit, einem Volk mit neu-
    rotischem Staats- und Politikervertrauen möglichst viele
    Entscheidungen abzunehmen, denn Dummköpfe können keine
    eigene Verantwortung übernehmen!
    Mein Vater pflegte gebetsähnlich zu sagen:"Oh Herr ich bin
    ein Dusseltier, mach ein gescheites Mensch aus mir"!

  • Wer ist der Dumme? Der chnonisch Kranke. Deutschland ist eine Bananenrepublik. Wieviele musste die Apotherkerlobby bestechen, sorry sponsern, bis sie so einen Schutz bekommen haben. Eine Frechheit, dies ist kein Verbraucherschutz, sondern Schutz überhöhter Preise und Abzocker.
    Das ist Deutschland und unsere Regierung in der heutigen Zeit!
    Da wird ein anerkanntes Krebsmittel aus Profitgier vom Markt genommen und die Regierung sagt, das sei eine unternehmerische Entscheidung, aber wenn jemand Rabatte zugunsten von Verbrauchern gibt und selbst weniger verdient, dann ist dies für dieselbe Regierung keine unternehmerische Enscheidung sondern dies wird per Gesetz verbotentraurig! Zum Schutz der Lobby gegen das Volk!

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