Fieberhafte Verhandlungen in Rom
Alitalia steht vor dem Kollaps

Für die italienische Fluglinie Alitalia wird die Luft immer dünner, die Lage spitzte sich am Dienstag weiter zu. Selbst unter normalen Bedingungen könne die Alitalia nur noch bis September überleben, falls keine finanziellen Hilfen gegeben werden, hieß es nach Medienberichten vom Dienstag am Rande einer Sitzung des Alitalia- Verwaltungsrats.

HB ROM. Die Liquidität der Airline sei nach dem dreitägigen wilden Streik in der vergangenen Woche auf 200 Mill. € gesunken. Sollte die Belegschaft erneut in den Ausstand treten, „ist das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit pleite“, sagte der Vize-Generaldirektor der Airline, Luca Egidi.

Regierung, Gewerkschaften und Management waren am Montag an den Verhandlungstisch zurückgekehrt und versuchten fieberhaft, den drohenden Kollaps doch noch abzuwenden. Im Mittelpunkt steht ein Maßnahmenpaket für den gesamten italienischen Luftverkehr. Arbeitsminister Roberto Maroni hatte zuvor angekündigt, die Regierung wolle die Airline mit bis zu maximal 100 Mill. € unterstützen.

An der Mailänder Börse wurde die Alitalia-Aktie am Dienstag wegen übermäßiger Einbrüche vom Handel ausgesetzt: Bis zum Mittag verlor der Titel 15 % und notierte nur noch bei 0,199 €. Der Präsident der Gesellschaft, Giuseppe Bonomi, unterbrach daraufhin die Verhandlungen.

Die noch zu 62 % in Staatsbesitz befindliche Gesellschaft hat jüngsten Schätzungen zufolge allein in den ersten vier Monaten dieses Jahres Verluste von bis zu 250 Mill. € eingeflogen. Im Gesamtjahr 2003 hatte die Alitalia Verluste von 511 Mill. € verzeichnet. Auch die Regierung bezeichnete die Lage der Gesellschaft als „äußerst dramatisch“.

Voraussichtlich sind mehr Stellen bedroht, als ursprünglich angekündigt. Die Zeitung „Il Sole 24 Ore“ berichtete, dass bis zu 7000 der insgesamt 22 000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. „Wenn auch nur ein einziger Mitarbeiter gekündigt wird, werden wir den Sanierungsplan nicht unterschreiben“, konterte der Sprecher der Alitalia-Piloten Roberto Scotti. Zur Abwendung der Pleite sei auch weiter eine Teil-Privatisierung im Gespräch, erklärte Verkehrsminister Pietro Lunardi. „Aber es kann sein, dass in diesem Fall gewisse Leute auf die Pleite hinarbeiten, um die Alitalia in Einzelstücken zu verkaufen“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%