Filialen-Streichliste ist ein Schock
Städte fürchten um ihre Handelsstruktur

Kleine und große Städte bangen um die Existenz von 77 Karstadt-Kaufhäusern in den Innenstädten. Der Handelskonzern Karstadt-Quelle will die Läden in zwölf Bundesländern in eine neue Gesellschaft ausgliedern und möglichst verkaufen.

DÜSSELDORF. Besonders hart trifft die Aktion Nordrhein-Westfalen; dort will sich Karstadt von 35 Häusern trennen. Der Wirtschaftsminister des Landes, Harald Schartau, will deswegen mit dem Konzernvorstand verhandeln.

Neben vielen Mittelzentren sind auch Großstädte betroffen: Allein in Hamburg stehen sechs Kaufhäuser auf der Kippe, in Berlin will der Konzern vier Filialen abgeben. „Die mögliche Schließung von Filialen im Norden ist sehr bedauerlich“, sagt Hamburgs Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU). Er versteht aber die betriebswirtschaftliche Entscheidungen des Konzerns. „Ob diese richtig oder falsch sind, kann und soll die Politik nicht bewerten“, meint der Senator. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi arbeiten in den sechs Hamburger Karstadt-Geschäften fast 1 100 Beschäftigte.

Die Oberbürgermeisterin von Halle, Ingrid Häußler (SPD) sorgt sich um die 220 Mitarbeiter des dortigen Karstadt-Hauses. „Eine Schließung wäre ein schwerer Schlag für die Beschäftigungssituation, wir haben ohnehin schon große Probleme mit Arbeitslosigkeit“, sagt sie. Halle sei angewiesen auf einen Warenmix und qualitativ hochwertige Produkte. Dass neben den Arbeitsplätzen auch die Attraktivität der Stadtteile auf dem Spiel steht, bestätigt Hartmut Thielen, Städtebaureferent des Deutschen Städtetags. „Für mittlere und kleinere Städte wäre die Schließung eines Kaufhauses eine wirkliche Gefährdung“, sagt Thielen.

Viele Bürgermeister hat der Kurswechsel des Unternehmens überrascht. „Am Montag haben wir das 25. Jubiläum der Karstadt-Filiale gefeiert und uns gewundert, dass niemand von der Konzernspitze gekommen ist“, sagt Jürgen Machwirth, Oberbürgermeister der Rheinland- Pfälzischen Stadt Idar-Oberstein. Jetzt steht das Kaufhaus auf der Streichliste des Konzerns. Machwirth hat dem Filialleiter seine Unterstützung zugesagt. „Wir werden alles tun, damit das Kaufhaus als Magnet in unserer Innenstadt erhalten bleibt“, sagt der Oberbürgermeister. Momentan saniert die Stadt für eine Mill. Euro den Vorplatz des Kaufhauses.

In der niedersächsischen Stadt Garbsen startete vor kurzem die Sanierung das Einkaufszentrums „Planetencenter“, in dem Karstadt ein kleineres Geschäft besitzt. Auch diese Kaufhaus mit rund 60 Mitarbeitern will der Konzern abgeben. Die Stadt hofft, dass die Karstadt- Pläne die notwendige Sanierung nicht gefährden. Auch die Zukunft der Schaulandt-Filiale in Garbsen ist unklar – das Elektrogeschäft gehört noch zu Karstadt-Quelle.

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