Filmbranche
Nur noch Selters statt Champagner in Cannes

Große Stars wie Brad Pitt laufen über den roten Teppich, doch etwas ist anders beim 62. Filmfestival in Cannes. Die Stadt wirkt gespenstisch leer, das Publikum ist ausgedünnt. Auch das Filmfestival von Cannes bekommt die wirtschaftlich schwachen Zeiten zu spüren.

CANNES/DÜSSELDORF. Die Sonne scheint in Cannes wie immer. Vor der Kulisse des Palmenboulevards Croisette haben Stars aus aller Welt ihren großen Auftritt auf dem roten Teppich, darunter Brad Pitt und Diane Krüger. Doch etwas ist beim 62. Filmfestival anders. Cannes wirkt gespenstisch leer. Am Abend gibt es vor den Galavorstellungen nicht einmal einen Stau am Festivalpalast. Weniger Werbung ist in den Straßen zu sehen. Das Publikum vor dem Roten Teppich ist ausgedünnt und die sonst so begehrten Strandrestaurants sind zur Mittagszeit oft gähnend leer.

Die Rezession hat den südfranzösischen Nobelort erfasst. Sparfüchse regieren bei dem sonst opulenten Fest. Das ungeschriebene Motto dieser Filmfestspiele lautet: Selters statt Champagner. Doch auch der offizielle Leitspruch beweist, dass die Weltwirtschaftskrise den roten Teppich längst erreicht hat. "Yes we Cannes" heißt das missglückte Motto in diesem Jahr.

Die Krise hat Folgen. Die von Hollywood unabhängigen Filmunternehmer geraten immer mehr unter Druck. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten setzen die Kinos auf die Blockbuster der amerikanischen Studios. Die fünf Top-Filme der vergangenen 52 Wochen in den deutschen Filmtheatern kommen alle aus Hollywood. Mit über sechs Millionen Zuschauer stahl "Madagascar" von Paramount, eine Tochter des US-Medienkonzerns Viacom, den Wettbewerbern die Show. Auf Platz zwei folgen der neue James-Bond-Film "Ein Quantum Trost" des Studios MGM und auf Platz drei "Mamma Mia" von Universal, eine Tochter des Mischkonzerns General Electric. Einziger Lichtblick unabhängiger Produzenten war das Terroristendrama "Baader-Meinhof-Komplex" der Münchener Produktionsfirma Constantin Medien, an der Filmhändler Leo Kirch maßgeblich beteiligt ist. Der Streifen des Regisseurs Uli Edel schaffte es immerhin auf Platz acht.

Das Filmfestival in Cannes hingegen spielt für die großen Hollywood-Studios nur noch eine Nebenrolle. Den wirtschaftlich uninteressanten Wettbewerb überlassen die Giganten der amerikanischen Traumfabrik gerne den Independents. Am heutigen Mittwoch wird der US-Streifen "Inglourious Basterds" des umstrittenen Regisseurs Quentin Tarantino Premiere haben. Produziert wurde der Kriegsfilm von Harvey Weinstein.

Doch auch die Großen in Hollywood müssen sparen. Disney ist mit seiner Film- und Fernsehproduktion zuletzt beinahe in die roten Zahlen gerutscht. Im vergangenen Quartal brach der operative Gewinn um 97 Prozent auf bescheidene 13 Mio. Dollar ein.

Die Erlöse des Studios gingen um auf ein Fünftel auf 1,4 Mrd. Dollar zurück. Bei diesen Zahlen sitzt das Geld des Micky-Maus-Konzerns selbst an der glamourösen Croisette nicht mehr locker. Bei der Eröffnungsparty für den neuen Disney-Film "Oben" war zwar das Dekor bombastisch, mit Tausenden von Luftballons und einem fliegenden Haus. Doch am Eingang wurde Champagner aus Plastikgläsern serviert. Statt Austern oder Hummer gab es Bonbons und Obst in Schokolade .

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