Finanzchef muss gehen - Preiskampf drückt auf den Gewinn
Britischer Einzelhändler Morrison schluckt schwer an Übernahme

Der britische Handelskonzern William Morrison hat an der im Vorjahr übernommenen Supermarktkette Safeway schwer zu schlucken. Nach der überraschenden Gewinnwarnung der vergangenen Woche gab das Unternehmen am Mittwoch bekannt, dass Finanzchef Martin Ackroyd geht.

dih/fs/HB LONDON. Managing Director Bob Stott soll nun das Unternehmen auf Vordermann bringen: Er steigt zum Vorstandschef auf. Diese Position gab es bisher unter dem 73-jährigen Chairman Ken Morrison nicht.

Der Patriarch aus Yorkshire hatte sein Unternehmen vor einem Jahr mit der Übernahme der doppelt so großen Safeway-Kette für 2,9 Mrd. Pfund (4,1 Mrd. Euro) in die Spitzengruppe der britischen Händler katapultiert. Anschließend zettelte er einen Preiskampf gegen den klaren Marktführer Tesco und die zweitplatzierte Wal-Mart-Tochter Asda an. Doch dabei vernachlässigte er nach Ansicht von Analysten, dass die Morrisons- und Safeway-Läden unterschiedliche Käufer ansprechen. Safeway-Kunden fühlten sich durch neue Billigsortimente irritiert, während es auf der anderen Seite nicht gelang, Tesco und Asda dauerhaft zu unterbieten.

Noch dazu kostete der Umbau der Safeway-Märkte zur Morrison-Filialen 50 Prozent mehr als geplant. Dennoch soll der Umbau bis Ende November abgeschlossen sein: Dann werden innerhalb von 20 Monaten aus 127 Morrisons- und 479 Safeway-Standorten 359 Morrisons-Filialen geworden sein.

Im Geschäftsjahr zum 30. Januar 2005 setzte William Morrison mit den fortgeführten Filialen 12,3 Mrd. Pfund um, 1,5 Mrd. weniger als der addierte Umsatz im Jahr davor. Dieses Niveau will das Unternehmen mit der verringerten Zahl von Filialen im laufenden Jahr halten – schließlich ist der Marktanteil seit der Fusion bereits um zwei Prozentpunkte auf 12,6 Prozent gesunken. Die operative Gewinnspanne sank, auch durch außerordentliche Aufwendungen für die Integration, von 6,4 auf 2,3 Prozent.

Kritik musste das Unternehmen auch für seine Corporate Governance einstecken. Investoren fordern mehr unabhängige Direktoren im Board. Dass der unabhängige Direktor David Jones zum Vize-Chairman aufstieg, reicht ihnen nicht. „Wir haben ein Management-Board mit mindestens drei nicht-exekutiven Vorständen verlangt“, sagt Peter Montagnon vom der Association of British Insurers.

Noch dazu stellte die Wettbewerbsbehörde Office of Fair Trading gestern Safeway an den Pranger. Die Kette sei für 96 Prozent aller Verstöße gegen die 2002 vereinbarten Supermarkt-Verhaltensregeln verantwortlich, die kleine Lebensmittelhersteller vor der Macht der großen Handelsketten schützen sollen. In 44 Fällen habe Safeway – vor der Übernahme durch Morrison – von Lieferanten illegale „Treueprämien“ von bis zu 2,5 Mill. Pfund verlangt.

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