Finanzierungsprobleme
Wagniskapital für junge Unternehmen bleibt Mangelware

Für junge Unternehmen ist es in Deutschland nicht einfach: Denn so genanntes Wagniskapital spielt in Deutschland nur ein Schattendasein. Immer weniger wird in den Wirtschaftsnachwuchs investiert. Im Gegenteil zu den USA.
  • 0

BerlinJunge Unternehmen in Deutschland beklagen seit Jahren Finanzierungsprobleme. Es fehlt vor allem an Eigenkapital, das sie zum Aufbau der Firmen dringend benötigen. Da die Börse bei den oft sehr kleinen Unternehmen zumindest am Anfang ausscheidet, benötigen sie andere Geldquellen. Und da wird es eng: Denn so genanntes Wagniskapital spielt in Deutschland traditionell nur ein Schattendasein. Im vergangenen Jahr investierten entsprechende Fonds hierzulande 521 Millionen Euro - gut ein Viertel weniger als 2011, wie jüngste Daten des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zeigen. Zum Vergleich: In den USA waren es 2012 knapp 27 Milliarden Dollar. Bekannte US-Technologiekonzerne wie Google sind auch mit Hilfe von Venture-Capital-Fonds groß geworden.

"Wir haben in Deutschland relativ wenig Gründerkapital", räumt Helge Braun ein, parlamentarischer Staatsekretär im Bundesforschungsministerium. Der Bund versucht, mit einigen Initiativen wie staatlichen Aufbauhilfen in die Lücke zu stoßen. Doch die Branche beklagt seit Jahren vor allem die nach ihrer Ansicht schlechten gesetzlichen Rahmenbedingungen, die insbesondere ausländische Investoren abschreckten. Sie fordert unter anderem steuerliche Anreize, um Geldgeber anzulocken. „Jede Öffnung ist aber immer auch missbrauchsbehaftet“, warnte Braun am Donnerstag auf einer BVK-Veranstaltung.

Investitionen von Wagniskapital machen nach Angaben des Europäischen Branchenverbands EVCA hierzulande nur 0,02 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. In Schweden beispielsweise sind es fast drei Mal soviel. „Der deutsche Markt würde das Zwei- oder Dreifache locker vertragen“, betont Wolfang Seibold, Partner bei Earlybird, einem der größten deutschen Wagniskapitalgeber. Er sieht neben den Rahmenbedingungen auch noch andere Gründe für den Kapitalmangel. Anders als in den USA gebe es hierzulande keine Stiftungen von Universitäten, die in Venture-Capital-Fonds investieren. Zudem hätten einige Versorgungswerke rechtliche Vorgaben, die solche Investments verböten. „Es ist in Deutschland sehr schwierig, an diese Töpfe heranzukommen und sie zu öffnen“, konstatiert Seibold.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzierungsprobleme: Wagniskapital für junge Unternehmen bleibt Mangelware"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%