Finanzierungsvorschlag
Praktiker lehnt Sanierungspaket von Großaktionär ab

Der Machtkampf bei der kriselnden Baumarkt-Kette Praktiker spitzt sich weiter zu. Vorstand und Aufsichtsrat lehnen ein Finanzierungsangebot ihres eigenen Großaktionärs ab. Stattdessen verhandeln sie weiter mit Anchorage.
  • 1

FrankfurtDer Machtkampf bei der kriselnden Baumarkt-Kette Praktiker spitzt sich weiter zu. Vorstand und Aufsichtsrat lehnten ein Finanzierungsangebot ihres eigenen Großaktionärs ab, der Wiener Privatbank Semper Constantia. Es sei gegenwärtig nicht beabsichtigt, in Verhandlungen über den alternativen Finanzierungsvorschlag einzutreten, teilte Praktiker am Dienstag in Hamburg mit. „Dem Vorschlag unseres Großaktionärs können wir uns nicht anschließen“, sagte Vorstandschef Kay Hafner. „Er ist vom Umfang her nicht ausreichend und bietet auch nicht die nötige Transaktionssicherheit.“

Praktiker ist durch seine Rabattpolitik („20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“) zu einem Sanierungsfall geworden und sucht seit dem vergangenen Jahr einen Weg aus der Krise. Bei der Hauptversammlung Anfang Juli stimmten die Aktionäre einem Konzept des Vorstands zu, das neben einer Kapitalerhöhung auch einen Kredit des Hedgefonds Anchorage über 85 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 16 bis 17 Prozent vorsieht. Praktiker braucht das Geld schnell, um zahlreiche Praktiker-Märkte auf die profitablere Konzernmarke Max Bahr umzuflaggen.

Die österreichische Fondsmanagerin Isabella de Krassny, die neben den Anteilen der Semper Constantia auch den Fonds Mazeltov und damit rund 15 Prozent der Anteile vertritt, findet das zu teuer. Deshalb hat sie ein eigenes Konzept vorgelegt. Dabei fand sie in dem Investor Clemens Vedder einen Verbündeten, der allerdings relativ umstritten ist. Er will mit 30 Millionen Euro einsteigen, gegebenenfalls auch mehr. Vedder war an einer Reihe von Unternehmensdeals beteiligt, er wirft aber auch oft seinen Hut in den Ring, ohne dass es zu einem Abschluss kommt.

Hafner erklärte, bei dem Angebot der Semper Constantia gebe es eine Finanzierungslücke von 60 Millionen Euro. Der Vorstand gibt den Finanzierungsbedarf für die operative Restrukturierung mit rund 210 Millionen Euro an. Wegen der Lücke sei der Erfolg der Sanierung und der Bestand des Unternehmens durch das Angebot aus Österreich nicht hinreichend wahrscheinlich. Verschiedene Einzelelemente seien nicht umsetzbar und wegen der erforderlichen Verhandlungen auch die rechtzeitige Umsetzung der Finanzierung nicht gewährleistet. Deshalb setze der Vorstand weiter auf das Konzept, das bei der Hauptversammlung beschlossen worden sei.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Finanzierungsvorschlag: Praktiker lehnt Sanierungspaket von Großaktionär ab"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Diese Wucherzinsen von 16-17% kann doch kein Unternehmen erwirtschaften.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%