Finanzinvestor denkt über Ausstieg beim Dental-Spezialisten nach
Sirona bereitet sich auf neuen Eigentümer vor

Die Sirona Gruppe in Bensheim steht vor einem Besitzerwechsel. Nach Angaben aus Finanzkreisen denkt die Beteiligungsgesellschaft Permira, die die ehemalige Siemens-Tochter 1997 erworben hat, über einen Verkauf des Dental- Spezialisten nach.

BENSHEIM.Das Management von Sirona bereitet sich auf einen solchen Schritt vor. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die Eigentümerstruktur von Sirona innerhalb der kommenden zwölf Monate ändern wird. Diese Prozesse haben jedoch ihre eigene Dynamik“, sagte Jost Fischer, der Vorstandsvorsitzende von Sirona, dem Handelsblatt.

Informationen aus Finanzkreisen zu Folge sind zwei Szenarien denkbar. Zum einen könnte Sirona an einen anderen Finanzinvestor gehen. Zum anderen sei ein Verkauf an einen so genannten Plattform-Investor möglich. Diese Investoren, die in den USA bereits weit verbreitet sind, suchen sich ein starkes Unternehmen in einer Branche und bauen dieses über kleinere Akquisitionen aus, bevor sie aussteigen. „Ich halte den Verkauf an einen Finanz- oder Plattform-Investor für die beiden wahrscheinlichsten Varianten für einen Ausstieg“, bestätigte Sirona- Chef Fischer die Informationen.

Dagegen scheinen ein Börsengang oder der Verkauf an ein strategisch interessiertes Industrieunternehmen (Trade Sell) unwahrscheinlich. Ein Börsengang ist vor allem deshalb unwahrscheinlich, weil Permira dann nicht in einem Schritt aussteigen kann. „Das ist nur schrittweise etwa durch eine Zweitplatzierung Monate nach einem IPO möglich“, sagt Sirona-Chef Fischer.

Verkauf nicht vor dem Herbst

Ein Verkauf an einen Wettbewerber dürfte dagegen an kartellrechtlichen Hürden scheitern – Sirona ist der weltweit größte Anbieter in der Dentalindustrie. Und das Interesse anderer Technologieunternehmen an der Dentaltechnik dürfte gering sein. „Denken Sie daran, dass Siemens, Phillips und General Electric aus dem Geschäft ausgestiegen sind“, sagte Fischer.

Finanzkreise erwarten allerdings einen Verkauf nicht vor dem Herbst diesen Jahres. Permira wolle das Geschäftsjahr 2002/03 abwarten, das im September endet. Bislang laufen die Geschäfte nach Angaben von Fischer sehr gut. „Wir werden das Ergebnis des Vorjahres trotz Dollarkrise übertreffen“, zeigte er sich zuversichtlich. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/02 hat das Unternehmen 271 Mill. Euro umgesetzt und ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 43 Mill. Euro erwirtschaftet. Damit kommt Sirona auf eine Ebit-Marge von knapp 16%.

Die Sirona-Gruppe stellt neben so genannten Behandlungseinheiten (Zahnarztstuhl inklusive Behandlungsinstrumentarium) seit einiger Zeit auch CAD/CAM-Systeme her, mit denen der Zahnarzt sofort Kronen oder Inlays fertigen kann. Die Innovationskraft und die Stärke im Ausland helfen Sirona dabei, die schwache Inlandsnachfrage mehr als auszugleichen. „Seit der Trennung von Siemens haben wir den Exportanteil am Umsatz kontinuierlich gesteigert. Heute steuert das Inland nur noch 30 Prozent bei, und das bei steigendem Marktanteil“, sagte Fischer.

Die wichtigsten Auslandsmärkte für Sirona sind Amerika und Japan. In Deutschland, dem drittgrößten Weltmarkt, belastet die Diskussion um die Gesundheitsreform das Geschäft.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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