Finanzinvestor
Fortress steigt nach zehn Jahren bei Gagfah aus

Der Finanzinvestor Fortress wirft seine verbliebene Beteiligung an Gagfah auf den Markt. Dies sei „Der letzte logische Schritt nach einem langen Engagement“, denn der Immobilienkonzern stehe endlich auf eigenen Beinen.
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Frankfurt Der US-Finanzinvestor Fortress ist beim Wohnungskonzern Gagfah nach zehn Jahren endgültig ausgestiegen. Fortress warf seine verbliebene Beteiligung von 27,6 Prozent über Nacht auf den Markt und nahm damit fast 740 Millionen Euro ein. Die Deutsche Bank, die die Platzierung abwickelte, teilte am Dienstag mit, die fast 60 Millionen Aktien seien zu je 12,34 Euro an Investoren verkauft worden. Der US-Investor hatte die „Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten“ (Gagfah) 2004 für 3,5 Milliarden Euro von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) gekauft und nach zwei weiteren Übernahmen 2006 an die Börse gebracht.

Dort dümpelte die Gagfah-Aktie lange vor sich hin, erst ein Strategieschwenk vor gut einem Jahr ermöglichte Fortress den Ausstieg bei einer der größten Wohnimmobiliengesellschaften in Deutschland. Gagfah gehören rund 145.000 Wohnungen. „Das ist der letzte logische Schritt nach einem langen Engagement“, sagte ein Gagfah-Sprecher. „Gagfah steht jetzt auf eigenen Beinen, mit einer klaren wohnungswirtschaftlichen Strategie.“

Jahrelang gönnte sich der Großaktionär üppige Quartalsdividenden und brachte Kritiker gegen sich auf: Das gehe zu Lasten des Wohnungsbestandes, weil das Geld für Investitionen fehlte. Der Strategiewechsel ist unmittelbar mit Vorstandschef Thomas Zinnöcker verbunden, der seit April 2013 im Amt ist. Gagfah müsse wieder stärker wohnungswirtschaftlich und weniger finanztechnisch geführt werden, hatte er gleich zum Amtsantritt angekündigt und damit ein Signal in Richtung Fortress gesendet. Seither ging es mit der Gagfah-Aktie aufwärts.

In den vergangenen zwölf Monaten hat der US-Investor Gagfah-Aktien für insgesamt 1,4 Milliarden Euro auf den Markt geworfen und seine Beteiligung von 60 Prozent auf Null reduziert. Musste Fortress die ersten Papiere für 8,85 Euro losschlagen, brachte die letzte Platzierung 40 Prozent mehr. An der Börse überwog Genugtuung. Die Gagfah-Aktie kletterte um mehr als vier Prozent auf 12,63 Euro – so viel kostete sie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. "Offenbar sind einige Investoren erleichtert, dass Fortress bei dem Unternehmen ausgestiegen ist und erst einmal keine weiteren größeren Anteilsverkäufe mehr bevorstehen", sagte ein Börsianer.

Mit 12,34 Euro schlug die Deutsche Bank die Aktien ohne Abschlag auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag los. Der Preis lag – ungewöhnlich für einen so großen Aktienverkauf - noch über dem Schlusskurs am umsatzarmen Pfingstmontag. Die Aktien hätten reißenden Absatz gefunden, sagten zwei Insider. An der Börse ist die Gagfah nun rund 2,7 Milliarden Euro wert, alle Papiere sind im Streubesitz.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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