Finanzinvestor Guy Hands: Deutschland zieht Milliarden an

Finanzinvestor Guy Hands
Deutschland zieht Milliarden an

Die britische Beteiligungsgesellschaft Terra Firma ist vom deutschen Markt begeistert und zählt die heimischen Unternehmen zu den attraktivsten Übernahmezielen in Europa. „Wir werden weiter in Deutschland investieren. Die politische Landschaft hat sich seit vergangenem Herbst gewandelt, wir spüren wenig Widerstände“, sagte Chief Executive Officer Guy Hands dem Handelsblatt.

HB FRANKFURT. Sein Kollege Thomas Krenz, Deutschland-Chef von Permira, sprüht ebenfalls vor Zuversicht und erwartet 2006 bis zu einem Dutzend Transaktionen in einer Größenordnung von über 500 Mill. Euro von Finanzinvestoren. Normal wären rund acht.

Angesichts des attraktiven Umfelds und eines europäischen Marktes, der sich nach den Berechnungen des Finanzdatenanbieters Mergermarket in den vergangenen fünf Jahren auf 134 Mrd. Euro mehr als verdoppelt hat, will Hands an seiner bisherigen Strategie festhalten. Er plant, weiter in Branchen mit „handfesten Assets“ zu investieren, bei denen er stetige operative Erträge erwartet. „Denken Sie nur an unsere Investments in britische Militärwohnungen oder in Müllverbrennungsanlagen. Viele denken, dass sind langweilige, staubige, unattraktive Geschäfte. Doch wenn wir einmal investiert sind und Gewinn erzielen, machen uns die Wettbewerber das nach“, sagt der Terra-Firma-Chef. Der Finanzinvestor hält vor allem nach Verkehrsunternehmen, Versorgern, Krankenhäusern und Energieproduzenten Ausschau.

Hands ist eine der bekanntesten Figuren in der Wagniskapital-Branche und gilt als einer der wichtigsten Spieler in Europa. Seine Karriere startete er 1982 zunächst als Anleihehändler der US-Investmentbank Goldman Sachs. Nachdem er es mit 26 Jahren zum Chef einer Abteilung gebracht hatte, wechselte er 1994 zur japanischen Nomura-Bank. Dort kaufte und verkaufte er Pubs, Wettbüros und andere Beteiligungen in großem Stil. 2001 machte sich Hands unter dem Namen Terra Firma selbstständig. Die Briten machten in Deutschland mit zwei Mega-Deals auf sich aufmerksam. Im vergangenen Jahr kaufte die zur Terra Firma gehörende Deutsche Annington rund 150 000 Wohnungen der Eon-Tochter Viterra für sieben Mrd. Euro, 2004 übernahmen sie den Raststättenbetreiber Tank & Rast für gut eine Milliarde Euro.

Insgesamt hat die Deutsche Annington rund 230 000 Wohnungen und kann die Einkaufsmacht etwa bei Renovierungen ausspielen. In den nächsten fünf Jahren werde der Bestand voraussichtlich auf rund 500 000 Wohnungen steigen, sagt Hands: „Wir werden also – je nach Angebot und den Preisvorstellungen der Veräußerer – weiter Immobilien kaufen.“ Branchenkritik, Terra Firma habe die Wohnungen überteuert gekauft, kann er nicht nachvollziehen. Die Deutsche Annington habe die Wohnungen für durchschnittlich 700 Euro je Quadratmeter gekauft, heute würden für vergleichbare Objekte schon 850 Euro gezahlt. Der Verkaufspreis an interessierte Mieter liege bei etwa 1 200 Euro. Finanzinvestoren wie Terra Firma oder Fortress kaufen Werkswohnungen oder kommunale Immobilien und versuchen über Mietsteigerungen und die Umwandlung in Eigentumswohnungen, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. So griff Fortress jetzt bei der Dresdener städtischen Wohnungsbaugesellschaft Woba zu und erwarb für rund 1,7 Mrd. Euro 48 000 Wohnungen. Mit ihren Investments gehen die Finanzinvestoren eine „Wette auf den Konjunkturaufschwung“ in Deutschland ein, räumt Hands ein.

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