Finanzinvestoren
Neue Schatzsuche an der Börse

Continental war nur der Anfang: Private-Equity-Gesellschaften werden in Zukunft häufiger versuchen, börsennotierte Firmen zu übernehmen. Lange Zeit scheuten sie solche Transaktionen, ist das so genannte „going private“ in Deutschland doch komplex und aufwendig. Doch das scheint nicht mehr zu gelten.

FRANKFURT. Selbst die Übernahme von Top-Unternehmen rückt in greifbare Nähe. „Wir werden noch viele Versuche erleben, bei denen Private-Equity-Fonds nach einem der 30 größten deutschen Konzerne greifen“, sagt Jens Tonn, Deutschland-Chef des Finanzinvestors Candover.

„Es treffen zwei Entwicklungen aufeinander. Die Finanzinvestoren haben viel Geld, das angelegt werden muss. Gleichzeitig gibt es auch an der Börse Unternehmen, bei denen noch Optimierungsmöglichkeiten bestehen“, begründet Joachim Spill, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, den Trend. Welche Firmen am Ende aber tatsächlich auf das Radar der Private-Equity-Firmen gelangen, ist nicht so leicht zu beantworten. „Jeder Fonds hat seine eigene Methodik, sein eigenes Vorgehen“, sagt Jeremy Golding, Chef des Private-Equity-Beraters Golding Capital Partners in München.

Dennoch existieren einige Kriterien, denn ohne eine gewisse Systematik würden die Investoren nur schwer die geeigneten Objekte finden. In der Regel beginnt die Suche mit vielen Zahlen. „Da geht es um die allgemein zugänglichen Bilanzen. Das ist klassisches Number-Crunching", sagt Golding. Eine Aufgabe, die üblicherweise von den jüngsten Mitarbeitern der Private-Equity-Gesellschaften, den Junior-Analysten übernommen wird.

Sie schauen sich zum Beispiel die Cash-Flow-Stärke der Unternehmen an, also die Mittel, die das Unternehmen aus dem operativen Geschäft nach Abzug der notwendigen Investitionen und Sachkosten übrig behält. Er sollte nicht zu niedrig sein. Vor allem aber sollte er konstant fließen, denn nur dann können auch die Schulden getilgt werden, die dem Unternehmen nach der Übernahme durch Finanzinvestoren aufgebürdet werden. Das führt zum zweiten wichtigen Punkt: die Verschuldung. Sie sollte nicht zu hoch sein, schließlich kommt ja nach der Übernahme ein ordentlicher Batzen an Verbindlichkeiten hinzu.

Diese Zahlen werden nun in den Markt und dessen weitere Entwicklung eingepasst. Dabei geht es auch bereits um die Frage, wie der Wert des Unternehmens gesteigert werden kann. Welche strategischen Optionen ergeben sich? „Nur wer in seiner Branche die Nummer eins, zwei oder drei ist, kann mit seinen Produkten Geld verdienen“, verweist Golding auf eine alte Manager-Weisheit, auf die sich auch die Fondsmanager bei ihren Investmentscheidungen berufen.

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