Finanzinvestoren
Riskanter Griff in die Kasse

Die Welle kreditfinanzierter Dividendenzahlungen wird in den kommenden Jahren das Risiko von Insolvenzen erhöhen. Davor warnen große Rating-Agenturen. Sie kritisieren die wachsende Neigung von Finanzinvestoren wie etwa Private-Equity-Fonds, die Schulden übernommener Firmen zu Lasten hoher Ausschüttungen zu erhöhen, um so ihren Kapitaleinsatz schnell zurückzuholen.

LONDON. Eine Abkühlung der Kreditmärkte könnte für diese Praxis schwer wiegende Folgen haben. Auch unter den Fonds selber ist dieses Vorgehen nicht unumstritten.

Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S &P) kritisiert in einer aktuellen Studie, Private-Equity-Fonds zögen immer häufiger Geld aus gerade übernommenen Firmen ab, um „das schnelle Geld“ zu machen. Dafür nähmen sie in Kauf, die finanzielle Position ihrer Beteiligungen zu schwächen. Banken heizten den Trend noch an, um ihre Provisionseinnahmen zu steigern.

Private-Equity-Fonds kaufen Unternehmen üblicherweise, um sie für einen Zeitraum von mehreren Jahren zu halten. Sie setzen beim Kauf zu einem kleineren Teil Eigenkapital aus ihren Fonds und zum größeren Teil – üblich sind heute 80 Prozent – Fremdkapital ein. Bei einer so genannten Dividenden-Rekapitalisierung belastet ein Private-Equity-Fonds oft schon nach wenigen Monaten die gekaufte Firma mit weiteren Schulden und lässt sich diese als Sonderdividende auszahlen. Damit erhält der Fonds rasch seinen Kapitaleinsatz zurück und verlagert so das Risiko auf die übernommene Firma.

Daten von S&P zeigen, dass sich die Summe der Dividenden-Rekapitalisierungen vom Jahr 2002 bis 2005 auf mehr als 40 Mrd. Dollar verzehnfacht hat. Auch in der Private-Equity-Branche gibt es Kritiker dieses Trends, doch viele große und renommierte Fonds verteidigen ihn. „Unsere Priorität ist es, gute Renditen zu erzielen und Dividenden-Rekapitalisierungen sind ein Mittel dazu“, sagt ein Manager eines großen internationalen Private-Equity-Fonds.

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