Finanzkrise
Berater-Branche droht ein neuer Umbruch

Die Folgen der weltweiten Finanzkrise erreichen die Beraterbranche mit Zeitverzug. Noch arbeiten die Management- und Strategieconsultants „unter Hochdruck“, heißt es nicht nur bei Arthur D. Little. Die zurückliegenden Boomjahre hatten die Berater geradezu mitgerissen.

HB. DÜSSELDORF. Unternehmen suchten neue Ertrags- und Wachstumsquellen, expandierten global wie selten zuvor. Guter externer Rat war deshalb gefragt. McKinsey, Boston Consulting und Co. konnten gar nicht so viele qualifizierte Mitarbeiter finden wie die Orderbücher hergaben.

Zweistellige Zuwachsraten bestimmten zuletzt das Geschäft. Bis heute zeichnet sich nach einer Umfrage des Handelsblatt bei Managementberatern auch kein Einbruch ab. Doch die Berater sind selbst etwas ratlos bei der Frage, wie die Auftragslage in einigen Monaten aussehen könnte. Erste Projekte, berichtet der Bundesverband der Branche BDU, würden gestoppt oder verschoben.

„Die Unternehmen beginnen zu sparen“, sagt BDU-Geschäftsführer Christoph Weyrather. Auch Burkhard Wagner, Kienbaum-Geschäftsführer, stellt Stornierungen fest. Etwa für „Dinge, die Unternehmen gerne absichern, aber auf deren Ergebnisse man mit gesundem Menschenverstand auch so kommen kann.“ Großprojekte liefen aber ungebremst weiter. Kienbaum erwartet in der Managementberatung daher auch 2009 trotz des sich anbahnenden Konjunktureinbruchs zweistelligen Umsatzzuwachs.

So präzise wollen sich viele seiner Kollegen nicht festlegen. Zumal unklar ist, wie tief die Konjunktur infolge der Bankenkrise einbricht und in welchem Umfang die Unternehmen darauf mit Sanierungsmaßnahmen reagieren werden. In der Autoindustrie etwa werden bislang nur Produktionsstopps angekündigt. Dafür brauche sie keine Berater. „Erst wenn es ans Eingemachte geht, sind wir wieder gefragt“, sagt ein Topberater, der nicht genannt werden möchte.

Einigkeit besteht in der Branche aber in einem Punkt: Kostensenkung wird das neue Topthema sein. Dabei blicken international tätige Consultants auf ihre Kollegen in den USA. „In den USA ist längst klar, was zu tun ist. Die Kosten müssen gesenkt und die Operations verbessert werden“, sagt Dietrich Neumann, Zentraleuropachef von A.T. Kearney. Diese Welle, daran zweifelt niemand, wird nach Europa herüberschwappen. Die Frage ist nur: Wann und wie heftig.

Samuel Zusmann, Vizechef bei Proudfood Consulting, sieht Marketingprojekte ganz oben auf der Streichliste der Auftraggeber. Berater, die sich auf diese Geschäfte spezialisiert haben, würden als erste Probleme bekommen, meint Zusmann. Generell kommt es darauf an, welches Dienstleistungsportfolio angeboten werde. Bei den Beratern geht es daher nicht anders zu als bei den Autoherstellern: Wer nur den Hummer im Angebot hat, bekommt ein Problem.

Der von der Finanzkrise ausgelöste radikale Umschwung im Geschäft könnte die Branche erneut durcheinanderwirbeln. McKinsey gilt immer noch als Sanierungsberater Nummer Eins, allerdings sind die Meckies, wie sie branchenintern genannt werden, sehr stark im Finanzsektor unterwegs. Ob dort die Aufträge zusammenbrechen oder eher wegen der Krise zunehmen ist ungewiss. McKinsey selbst wollte darüber nicht spekulieren. Für Dietmar Fink, Professor an Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, sind jedenfalls diejenigen Berater“, „die ihre Zentralen in den USA und in Deutschland ihre Cash Cow im Bankenbereich haben, doppelt gestraft.“ Restrukturierungsspezialisten wie Roland Berger dagegen hofften jetzt sicher, von der Krise zu profitieren, mein Fink.

Einen Fehler des Krisenjahres 2002, hofft Verbandsmann Weyrateher, werden die Berater nicht wiederholen. Damals, nach den Attentaten in den USA, feuerten die Berater viele Mitarbeiter weil Aufträge fehlten. Nur kurz darauf suchten dieselben Firmen händeringend wieder qualifiziertes Personal, teilweise vergeblich, weil die jungen High Potentials lieber gleich in die Industrie gingen.

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