Finanznot: Flaute erzwingt Klinikverkäufe

Finanznot
Flaute erzwingt Klinikverkäufe

Dem deutschen Krankenhausmarkt steht eine neue Privatisierungswelle bevor. Damit rechnen sowohl Marktbeobachter wie auch die Betreiber privater Kliniken. Hintergrund ist die Finanznot der Kommunen. Schon bei 18 Prozent der Krankenhäuser besteht akute Insolvenzgefahr.

FRANKFURT. "Die Finanz- und Wirtschaftskrise sorgt dafür, dass wieder mehr Krankenhäuser unter Druck kommen und privatisieren müssen", sagt Asklepios-Gründer Bernard Broermann im Gespräch mit dem Handelsblatt. Richtig in Fahrt kommen dürfte die neue Privatisierungswelle aber erst nach Ablauf des Superwahljahrs 2009.

Der 65 Mrd. Euro schwere deutsche Krankenhausmarkt ist bisher noch stark zersplittert. Die vier größten privaten Betreiber, die in den vergangenen Jahren massiv durch Zukäufe gewachsen sind, haben immer noch deutlich weniger als zehn Prozent Marktanteil. Asklepios gehört mit einem Umsatz von zuletzt 2,3 Mrd. Euro neben Helios, Rhön-Klinikum und Sana zu den großen privaten Klinikkonzernen.

Nach Untersuchungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung gibt es im deutschen Krankenhausmarkt rund elf Prozent Überkapazitäten. Nur 30 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland erreichen eine Ebitda-Marge von acht Prozent, die nötig ist, um ausreichend Investitionen finanzieren zu können. Bei 18 Prozent der rund 2 100 Krankenhäuser besteht eine erhöhte Insolvenzgefahr. Sinken im Zuge der Wirtschaftskrise die Steuereinnahmen, so haben die Kommunen noch weniger Spielraum, mögliche Defizite ihrer kommunalen Kliniken auszugleichen, so die RWI-Experten.

Auf der anderen Seite steigen die Kosten, beispielsweise für Personal. Zwar hat die Bundesregierung den Krankenhäusern für dieses Jahr 3,2 Mrd. Euro mehr Geld zugeteilt, eine dauerhafte Entlastung für die Kliniken sieht Asklepios-Besitzer Broermann aber nicht. Der Konzern steht bereit, dreistellige Millionenbeträge für die Übernahme von Kliniken auszugeben. Konkurrenten wie Helios und Sana haben sich jährliche Zukaufsziele von 150 und 200 Mio. Euro gesetzt, um in dem eher stagnierenden Markt zu wachsen.

Michael Philippi, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken AG aus München, rechnet mit einem neuen Privatisierungsschub aber erst nach dem Superwahljahr 2009. Vor den Wahlen werde kein Politiker das sensible Thema Privatisierung anpacken, meint Sana-Chef Philippi.

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