Finanzspritze
Etihad startet mit Rettungsaktion für Air Berlin

Die arabische Fluglinie Etihad hilft der angeschlagenen Air Berlin. Die Gesellschaft mit Sitz im ölreichen Golf-Emirat Abu Dhabi will erneut Geld nach Berlin überweisen – ohne seinen Anteil zu erhöhen.
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FrankfurtDie arabische Fluglinie Etihad treibt die Rettung der angeschlagenen Air Berlin voran. Etihad habe den ersten Teil von Wandelanleihen im Volumen von insgesamt 300 Millionen Euro erworben, teilte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Montag mit. Zwei weitere Tranchen über jeweils 100 Millionen Euro werden aus heutiger Sicht Ende August und im November folgen.

Etihad hält derzeit 29,2 Prozent der Aktien des Lufthansa -Rivalen und hat die Konstruktion für die vor einem Monat angekündigte Finanzspritze aus zwei Gründen gewählt. Zum einen laufen die Wandelanleihen ewig und können den Bilanzierungsregeln zufolge dem Eigenkapital zugeschlagen werden. Für Air Berlin ein wichtiger Punkt: Ende März lastete ein negatives Eigenkapital von 400 Millionen Euro auf der Airline.

Zudem kann die Gesellschaft mit Sitz im ölreichen Golf-Emirat Abu Dhabi damit erneut Geld nach Berlin überweisen, ohne den Anteil zu erhöhen. Der Kniff: Etihad will die Anleihe gar nicht in Aktien tauschen - und da die Schuldverschreibung keine Laufzeit hat, muss die Fluglinie dies auch nicht. Ansonsten sähe es ganz anders aus: Im Falle der Wandlung würde der Anteil von Etihad auf knapp 90 Prozent springen. "Etihad hat erklärt, ihr Wandlungsrecht nur auszuüben, um eine Verwässerung ihrer gegenwärtigen Beteiligung zu verhindern oder falls sich die EU-Regeln für ausländische Beteiligungen an europäischen Luftfahrtgesellschaften ändern würden", erklärte Air Berlin.

Die arabische Fluglinie muss bei Air Berlin wegen gesetzlicher Hürden vorsichtig vorgehen. Unternehmen, die außerhalb der EU sitzen, dürfen nicht die Mehrheit an einer europäischen Fluggesellschaft erwerben, sonst gehen die Anflugrechte verloren. Die EU-Kommission hatte Anfang April angekündigt, ganz genau zu prüfen, ob Etihad über Gebühr Einfluss auf die Geschicke der Berliner nimmt.

Wegen eines übereilten Expansionskurses steht die mit ihrem "Mallorca-Shuttle" bekanntgewordene Air Berlin mit 800 Millionen Euro in der Kreide und schrieb in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne. Ohne die neuen Wandelanleihen pumpte Etihad bereits eine halbe Milliarde Euro in die deutsche Fluglinie. Da die bisherigen Sanierungsanläufe nicht den erhofften Erfolg brachten, arbeitet die Air-Berlin-Spitze an einer Radikalkur. Das Magazin "Focus" zitierte einen hochrangigen Manager damit, dass als eine der Optionen eine Zweiteilung des operativen Geschäfts in klassische Linienflüge und Tourismusflüge diskutiert werde. In letzterem ist Air Berlin recht erfolgreich. Ein Air-Berlin-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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