Firmenchef Karel Vuursteen gibt Amt auf
Ahold leidet unter harter US-Konkurrenz

Der niederländische Einzelhändler Ahold hat im zweiten Quartal seinen Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr steigern können. Wegen einer enttäuschenden Geschäftsentwicklung in den USA wurde allerdings weniger verdient als von Analysten erwartet. Zugleich vermeldete der Konzern am Donnerstag überraschend den Rücktritt des Direktoriumsvorsitzenden Karel Vuursteen, der persönliche Gründe für diesen Schritt angab.

HB AMSTERDAM. Der operative Quartalsgewinn fiel auf 169 Mill. € von 222 Mill. € im Vorjahreszeitraum, wie der weltweit viertgrößte Einzelhändler am Donnerstag in Amsterdam mitteilte. Befragte Analysten hatten im Schnitt einen Anstieg auf 258,5 Mill. € erwartet. Der Nettogewinn stieg wegen niedrigerer Zinsaufwendungen auf 32 (Vorjahr: 3) Mill. €. Analysten hatten mehr als das Doppelte prognostiziert. „Das sind wirklich schreckliche Zahlen. Aholds Ergebnisse zeugen von einem schwachen Geschäftsverlauf und können nicht nur auf Sondereffekte geschoben werden“, sagte ein Händler in London. Ahold-Aktien fielen um knapp zehn Prozent auf 5,16 € und damit den tiefsten Stand seit 14 Monaten. Die Titel waren Schlusslicht unter den europäischen Standardwerten.

Vor allem auf dem wichtigen US-Markt verzeichnete Ahold deutliche Einbußen; der operative Gewinn sank um ein Drittel auf 207 Mill. €, was Ahold mit nicht näher spezifizierten Sonderbelastungen, erhöhten Werbeausgaben und dem harten Wettbewerb begründete. Unter anderem hat der weltgrößte Einzelhändler Wal-Mart seine Präsenz in den nordöstlichen US-Bundesstaaten ausgeweitet; eine Region in der Ahold bislang stark war.

Ahold hatte zuvor bereits einen Rückgang des Quartalsumsatzes um 4,8 % auf 12,3 Mrd. € bekannt gegeben. Damit war die Firma auf den weltweit vierten Platz unter den größten Einzelhändlern hinter Wal-Mart, Carrefour und Metro zurückgefallen. Ahold bekräftigte am Donnerstag, das Jahr 2004 werde ein Übergangsjahr in einem weiter schwierigen Marktumfeld. Der Einzelhändler will mit einem massiven Schuldenabbau und Anteilsverkäufen bei den Rating-Agenturen innerhalb von drei Jahren wieder Investment-Status erhalten, nachdem seine Anleihen Anfang 2003 nach einem milliardenschweren Bilanzskandal auf „junk“ heruntergestuft worden waren.

Überrascht wurden die Anleger auch von dem Rücktritt des Direktoriumsvorsitzenden Vuursteen. Der ehemalige Chef der Brauerei Heineken war erst vor rund einem Jahr bestellt worden und galt als gute Wahl, um das Management nach dem Bilanz-Skandal wieder auf Vordermann zu bringen. Vuursteen werde bis Mai 2005 Mitglied des Direktoriums bleiben. In der Übergangszeit werde Rene Dahan, früherer Vize-Chef des US-Ölkonzerns Exxon Mobil Corp., Vuursteens Aufgaben übernehmen.

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