Firmenverkäufe
Verschiebebahnhof Arcandor

Verkauf der Konzernimmobilien, Abschied von der Neckermann-Mehrheit, Überkreuzbeteiligungen im europäischen Warenhaushandel – was Arcandor-Vorstandschef Thomas Middelhoff an nur einem Nachmittag verkündet, reicht bei anderen für das Pressearchiv eines ganzen Jahres. Was die Firmenverkäufe dem Arcandor-Konzern bringen – das Handelsblatt gibt Antworten.

DÜSSELDORF. Aus dem verstaubten Handelskonzern Karstadt-Quelle in Essen ist längst eine Investmentgesellschaft geworden, die lieber mit Firmenteilen handelt als mit Kochtöpfen, Handtaschen oder Socken. Dennoch verlor die im MDax gelistete Aktie gestern am Tag nach den Verkaufsankündigungen über fünf Prozent. Das Handelsblatt sagt, warum.

Konzernchef Middelhoff zeigte sich über den Abschluss der Immobilientransaktion „sehr zufrieden“, die Börsianer dagegen kaum. Weshalb die Enttäuschung?

Der Verkauf ist alles andere als eine Überraschung. Das sogenannte Immobilienpaket Highstreet, das zwölf Sportfilialen, 85 Warenhäuser und 77 weitere Immobilien umfasst, hatte Arcandor bereits im vergangenen Jahr mehrheitlich an den Fonds Whitehall der Investmentbank Goldman Sachs verkauft. Seither hält Arcandor selbst nur noch einen Anteil von 49 Prozent an Highstreet. Aus diesem ersten Transaktionsschritt war dem Essener Handelskonzern bereits ein Finanzvolumen von 3,7 Mrd. Euro zugeflossen. Der endgültige Verkauf spült Arcandor zwar noch einmal 800 Mill. Euro in die Kasse, exakt diesen Betrag aber hatte Middelhoff bereits seit langem angekündigt. Neu ist hingegen, dass Karstadt nun 20 Mill. Euro mehr an Jahresmiete zahlen muss.

Warum hat Arcandor beim Verkauf des Immobilienpakets „Highstreet“ nicht einfach das Ende der aktuellen Kreditkrise abgewartet – und sich selbst unter immensen Zeitdruck gesetzt?

Vor fast genau zwölf Monaten vereinbarte Arcandor (damals noch „Karstadt-Quelle“) den Kauf der restlichen 50 Prozent am Touristikkonzern Thomas Cook. Der Preis, den die Essener dem Miteigentümer Lufthansa auf den Tisch blätterten: 800 Mill. Euro – ein Finanzloch, das durch den Verkauf der Immobilien wieder aufgefüllt werden sollte. Weil Arcandor aber den ursprünglich angepeilten Übergabetermin im September verpasste, dürften die Kreditgeber langsam unruhig werden. Entsprechend frühzeitig kündigten die Essener am Montag den „Letter of Intent“ über den geplanten Verkauf an – und fingen sich prompt ein Dementi eines der Interessenten ein. Die Abmachungen seien noch nicht bindend, teilte Pirelli Real Estate mit.

Gemeinsam mit der italienischen La Rinascente und Printemps in Frankreich will Karstadt eine europäische Premium-Warenhauskette schmieden. Was bringt das?

Die Kooperation soll den vier Karstadt-Premiumhäusern – KaDeWe, Alsterhaus, Oberpollinger München, Zeil Frankfurt – den Zugang zu Luxusmarken wie Gucci oder Prada erleichtern, die sich bislang gegen den Vertrieb in den Warenhäusern sträuben. Fraglich ist aber, ob eine finanzielle Überkreuzbeteiligung ausreicht. Um Synergien zu heben, müssten die Häuser unter ein gemeinsames Dach.

Verbessert die länderübergreifende Kooperation die Lage der übrigen Karstadt-Häuser?

Kaum. Solange Printemps und La Rinascente nicht gemeinsam mit Karstadt einkaufen, werden ihnen die Lieferanten bei der Frage nach Mengenrabatten die kalte Schulter zeigen. Zudem halten Analysten die Lieferanten-Schnittmenge der drei Ketten für bescheiden. Allein die vier Top-Häuser von Karstadt werden zunächst von der Kooperation möglicherweise profitieren. Sie erzielen aber nur etwas mehr als ein Zehntel des gesamten Warenhausumsatzes.

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