Fitness-Industrie
Nach der Krabbelgruppe ins Kraftstudio

Die Fitnessindustrie erschließt Kinder als Zielgruppe. Schon ab vier Monaten können sie in speziellen Fitness-Studios trainieren. Einige Experten kritisieren solche Angebote. Doch inzwischen bieten auch Studios für Erwachsene Kinder-Training an - und ködern damit die Eltern.
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KÖLN. Jeden Donnerstag nach dem Windelwechseln geht Paula für eine Stunde ins Sportstudio. Dafür fährt ihre Mutter die Eineinhalbjährige extra von Düsseldorf nach Köln. Nur da gibt es die lustigen Geräte und die freundliche Trainerin, die ihr das Rückwärtslaufen und Purzelbaumschlagen beibringt. Paula ist eins von 20 "kleinen Monstern", die den gleichnamigen Kurs im Kinderfitnessstudio "The Little Gym" besuchen.

Paula prellt Bälle, übt Handstand und balanciert mit Elternhilfe auf dem Barren. Danach darf sie mit den anderen Kindern toben, hüpfen und auf farbige Würfel klettern. Nur das Reck ist für die älteren Mitglieder reserviert: Das Studio richtet sich an Sportler von vier Monaten bis 12 Jahren.

"Modernes auf die Bäume klettern" nennt Geschäftsführer Arnd Walendy das Konzept. Er eröffnete das Kölner Studio 2007 als Franchise-Nehmer. 55 000 Euro investierte er in die Lizenz - und stieß sofort auf Nachfrage: "Die Kunden sind in erster Linie Eltern, denen ein gesundes Körperbewusstsein wichtig ist", sagt Walendy. In kleinen Schritten lernten die Kinder, ihre Beweglichkeit zu verbessern und ihrem Körper zu vertrauen. Kurse sollen zudem die Konzentration der Minis fördern. Trotz einer Monatsgebühr von 60 Euro steigen die Mitgliederzahlen laut Walendy stetig. "Für Deutschland ist das eine Art Pilotprojekt", sagt der Geschäftsmann.

Im Ausland sind solche Bewegungszentren für kleine Großstädter längst etabliert. So startete der Sportlehrer Robin Wes das erste Little Gym vor 33 Jahren in Seattle. Inzwischen gibt es um die 300 Little-Gym-Studios in 21 Ländern sowie Nachahmer-Ketten wie My Gym in den USA und Shokk in England. Die Shokk-Angebote sind schon eher auf jugendliches Publikum gemünzt und werben offensiv damit, dass Erwachsene im Studio nichts zu suchen haben. Sowohl Shokk als auch My Gym wollen ihr Angebot auch nach Deutschland bringen - das kündigen sie allerdings seit zwei Jahren an.

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