Flagge der US-Konföderierten
Deutsche Händler gehen von der Fahne

Das Massaker von Charleston hat eine hitzige Diskussion um die Südstaaten-Flagge ausgelöst, mit der der Attentäter posiert hatte. Ist sie ein Symbol für Rassismus? Deutsche Händler geraten unter Zugzwang.
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DüsseldorfDie Aufregung um die frühere Flagge der US-Südstaaten nach dem Massaker in einer Kirche in South Carolina erreicht jetzt auch deutsche Flaggenhersteller. „Wir überlegen, die Fahne bei uns aus dem Programm zu nehmen“, sagt Thomas Ruge, Inhaber von Flaggen Online, dem Handelsblatt. Die Flagge werde in Deutschland hauptsächlich von Mitgliedern von Motorradclubs gekauft.

In Verruf geraten war die Flagge in den USA, nachdem der 21-Jährige Dylann Roof in einer Kirche in Charleston in South Carolina neun Schwarze erschossen hatte. Der Attentäter hatte zuvor auf Bildern mit der Südstaaten-Flagge posiert. Dies hat in den USA eine heftige Diskussion ausgelöst, ob die Fahne ein Symbol für Rassismus sei und deswegen verboten werden solle. Der rassistische Ku-Klux-Klan und rechtsradikale Gruppen nutzen die Flagge bei Aufmärschen, mit der Afroamerikaner auch nach Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1865 eingeschüchtert werden sollten.

Das Massaker, bei dem sechs Frauen und drei Männer im Alter von 26 bis 87 Jahren starben, hat in den USA neue Ängste über rassistisch motivierte Angriffe geschürt. Es folgt auf Todesfälle mehrerer unbewaffneter Afroamerikaner durch die Hand weißer Polizisten.

Zahlreiche Händler und Onlineseiten in den USA haben schon reagiert. So haben Ebay, und die Supermarktketten Wal-Mart und Sears bereits erklärt, dass sie den Verkauf der Fahne einstellen werden. Auch Amazon plant nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg, die Flagge aus ihrem Webstore zu verbannen.

In Deutschland wird die Diskussion weniger emotional geführt – schon weil die Südstaatenflagge hier kaum nachgefragt wird. „Wir verkaufen vielleicht höchstens jeden dritten Monat eine“, sagte Flaggen-Online-Inhaber Ruge. Auch bei Flaggen Kössinger im bayerischen Schierling sieht man die Diskussion eher gelassen. „Bei uns wurde die Flagge noch nie stark nachgefragt – und das hat sich jetzt auch nicht geändert“, sagt eine Sprecherin. Deshalb sei auch bisher nicht geplant, die Flagge aus dem Programm zu nehmen.

Auch Flaggen Online hat bereits Erfahrung mit Symbolen für Rassismus. So hatte eine Filmproduktionsgesellschaft bei dem Unternehmen Hakenkreuz-Flaggen für einen Film über das „Dritte Reich“ bestellt. Inhaber Ruge hatte die Entscheidung den Näherinnen überlassen. Nachdem diese sich weigerten, die Fahnen zu nähen, lehnte er den Auftrag ab.

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Symbol für Sklavenhaltung?

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  • Da Amerika ein zutiefst rassistisch geprägtes Land ist sind alle US-Flaggen Symbole dieses tief verwurzelten Rassismus.
    Abschaffung der Sklaverei, ja. Aber ab wann durften in den USA (Starspangeld banner) denn Schwarzamerikaner uneingeschränkt wählen oder auch in Bussen mal in der 2. Reihe sitzen anstatt hinten Platz nehmen zu müssen? Hundert Jahre nach dem Abschaffen der Sklaverei war das immer noch so.
    Als es in Deutschland schon das Wirtschaftswunder gab, gab es in den USA noch aktive, institutionelle Rassentrennung und -Diskriminierung.
    Innerhalb von ein paar Jahren kriegt man das nicht so einfach raus.
    Da hilft auch nicht das Verbot eines Symbols das für viele Menschen auch noch aus anderen Gründen wichtig ist.

  • Die Konföderiertenflagge ist sicher in Deutschland, mehr noch als in den USA ein Outlaw/Rebellen-Symbol denn ein Rassismussymbol. Mir ist nicht bekannt das diese in Nazikreisen z.B verwendet wird. Aber die Deutschen sind ja die ersten die bei jedem Politcal Correctness pawlowschen Reflex mitmachen. Wenn demnächst ein relgiöser Spinner im Namen des Kreuzes um sich ballert, wird ja wohl auch nicht die katholische Kirche verboten oder selbiges in den Gerichtssäälen abgehängt, obwohl es zu wünschen wäre

  • Früher der Rassenwahn, heute der Rassismuswahn.

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