Fleischkonzern Kein doppeltes Stimmrecht für Clemens Tönnies

Die Macht von Clemens Tönnies wird eingeschränkt: Das Landgericht Bielefeld hat sein doppeltes Stimmrecht gekippt. Geklagt hatte sein Neffe, der von den Anteilen her eigentlich gleichberechtigt wäre.
Update: 30.05.2014 - 15:51 Uhr Kommentieren
Clemens Tönnies verliert an Macht in seinem Fleischkonzern – zumindest vorerst. Quelle: dpa

Clemens Tönnies verliert an Macht in seinem Fleischkonzern – zumindest vorerst.

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BielefeldDas Landgericht Bielefeld hat die Machtposition von Clemens Tönnies im größten deutschen Fleischkonzern ins Wanken gebracht. Die Richter gaben am Freitag der Klage seines Neffen Robert Tönnies gegen das doppelte Stimmrecht seines Onkels statt. Das doppelte Stimmrecht sichert Clemens Tönnies bislang in den meisten Fragen die Entscheidungsmacht, obwohl beide Seiten jeweils die Hälfte der Anteile halten. Clemens Tönnies will nun in die Berufung beim Oberlandesgericht gehen. Der Konzern hatte 2013 einen Umsatz von 5,6 Milliarden Euro. (Az.: 17 O 61/12)

Das doppelte Stimmrecht war in einem Vertrag von 2002 geregelt worden. Allerdings wurde es nicht bei der neu gegründeten Dachgesellschaft des Konzerns, der Tönnies Holding eingetragen, sondern bei den bis dahin bestimmenden Fleischwerkegesellschaften. Die Anwälte von Clemens Tönnies sowie der Steuerberater und der Notar des Konzerns hatten dies im Prozess als Versehen bezeichnet. Das doppelte Stimmrecht hätte nach dem Willen aller Beteiligten eigentlich bei der Holding verankert werden müssen.

Dieser Argumentation folgte das Gericht nicht. Es sei nachvollziehbar, dass das damals der Wille von Clemens Tönnies gewesen sei, sagte Richter Wolfgang Reinke. Demgegenüber habe die Kammer aber nicht feststellen können, dass dies auch der Wille und die Absicht von Robert Tönnies und dessen Bruder gewesen sei.

Streit in Familienunternehmen
Fischer Dübel
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Fischer Dübel

Zwischen Jörg Fischer (36, Foto) und seinem Vater Klaus Fischer (61) krachte es so sehr, dass der Sohnemann im April 2012 hinschmiss und das Unternehmen verließ. Man habe festgestellt, dass die Vorstellung im Hinblick auf Ausrichtung und Führung des Unternehmens "gravierend unterschiedlich" seien, teilte Klaus Fischer mit. Jörg Fischer hatte die Leitung der Geschäfte erst Anfang 2011 übernommen. Jetzt führt Vater Klaus wieder das Unternehmen. Es ist nicht der erste Schlagabtausch im Hause Fischer. 2007 prozessierte Firmenpatriarch Artur Fischer erfolgreich gegen Tochter Margot Fischer-Weber. Ihr wurde gerichtlich untersagt, Vater und Bruder auf ihrer Website als „Haie, Wölfe, Schweine“ oder „Idioten" zu bezeichnen. Dem Urteil ging ein jahrelanger Rechtsstreit um das Erbe der Dübel-Dynastie voraus.

Berentzen
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Berentzen

Der Spirituosenhersteller im Emsland wurde vom Dauerclinch der Gesellschafter regelrecht zerfressen. Die Widersacher: Die Nachfahren des namensgebenden Gründers und die Pabst-Richarz-Nachfahren. Letztere kamen in das Unternehmen, als die Kornbrennerei Pabst & Richarz 1988 mit Berentzen fusionierte. 2008 endete der Streit mit dem plötzlichen Verkauf der Apfelkornlegende an den Münchener Finanzinvestor Aurelius. Und damit auch die 250-jährige Familienära.

Joop
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Joop

Jette Joop hatte fest damit gerechnet, nach dem Studium das Modeunternehmen ihres Vaters zu übernehmen. Doch Wolfgang Joop und sein damaliger Geschäftspartner Herbert Frommen sind sich über die Zukunft der Firma uneins: Verkaufen oder an die Tochter übergeben? Jette verlangte Klarheit – und zerstritt sich mit dem Geschäftspartner des Vaters so heftig, dass sie in der Firma Hausverbot bekam. Inzwischen hat sie unter eigenem Namen Designer-Karriere gemacht. Jüngst sorgten Vater und Tochter mit Rangeleien um ihren alten Familiensitz für Schlagzeilen. Nach dem Tod der Großmutter beanspruche Jette das Anwesen in Potsdam-Bornstedt für sich allein. Die Tochter weist den Vorwurf zurück.

Porsche und Piëch
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Porsche und Piëch

Zwei Cousins wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Gemeinsam ist ihnen der Großvater Ferdinand Porsche, Erfinder des VW-Käfers. Ferdinand Piëch (links) lenkt als Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen die Geschicke des Piëch-Zweigs der Familie. Er gilt als stiller, aber harter Manager - ein nüchterner Zahlenmensch. Daneben Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender von Porsche. Er gilt als Familienmensch, schöngeistig, weich. Der Kampf der Familien gipfelt 2009 als Porsche versucht, VW zu übernehmen.

ElectronicPartner EP
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ElectronicPartner EP

Zwei Jahre lang stritten die Gesellschafter des Elektronikfachhändlers aus Düsseldorf. Grund: Unternehmensnestor Harmut Haubrich hatte die Firmenleitung an seinen Neffen Oliver Haubrich (rechts im Bild - neben ihm Unternehmens-Sprecher Jörg Ehmer) abgetreten. Der hatte sie jedoch nach kurzer Zeit einem familienfremden Manager übertragen. Hartmut Haubrich hielt mit der Kritik an seinem Neffen nicht hinterm Berg. "Erbfolge ist keine Tüchtigkeitsfolge", sagte er auf einer Tagung. Ende 2012 einigte sich die Familie. Oliver Haubrich und seine Schwester Marion Wenske schieden aus der Dachgesellschaft der EP-Unternehmensgruppe aus.

Haribo
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Haribo

Die Brüder Hans und Paul Riegel (links) bauten das von ihrem Vater Hans 1920 in Bonn gegründete Unternehmen zu einem der größten Süßwarenhersteller Europas aus. Friedlich ging es dabei nie zu: Hans Riegel gilt als machtversessen. So wie er dem Bruder keinen unternehmerischen Raum gewährte, führe er sich heute mit 87 Jahren gegenüber den im Unternehmen tätigen Neffen wie ein Alleinherrscher auf, heißt es. Der kinderlose Hans sowie die vier Kinder seines 2009 verstorbenen Bruders Paul halten zu je 50 Prozent Firmenanteile.

Aldi
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Aldi

Karl und Theo Albrecht, die aus dem Lebensmittelladen der Mutter das Aldi-Imperium machten, konnten sich nicht darüber einigen, ob Tabakwaren und Tiefkühlkost ins Sortiment passen. Ohne viel Federlesens teilten sie ihr Reich 1960 auf: Theo bekam die Nordhälfte, Karl den Süden. Der Schachzug hat funktioniert: Karl zählt in diesem Jahr mit 17,3 Milliarden Euro zu den reichsten Menschen der Welt. Theo, der im Juli 2010 starb, belegte hinter seinem Bruder lange Platz zwei der deutschen Rangliste.

Matthias Blaum, Anwalt von Clemens Tönnies, zeigte sich enttäuscht. Dieses Urteil könne so nicht stehenbleiben. Vorerst ändere sich aber nichts. Man habe keine Sorge, dass sich der Streit jetzt auf das Geschäft auswirken könnte. Das doppelte Stimmrecht sei seit 2008 erst ein Mal angewandt worden und habe im Tagesgeschäft kaum eine Bedeutung.

Voraussichtlich im Herbst werde das Landgericht über eine weitere Klage verhandeln, sagte ein Sprecher von Robert Tönnies. Darin fordert der 36-Jährige einen 5-Prozent-Anteil zurück, den er Clemens Tönnies vor einigen Jahren überlassen hatte. Begründung: Grober Undank. Hinter seinem Rücken nämlich habe Clemens Tönnies mit dem Kauf der zur Mühlen Gruppe und mit dem Russlandgeschäft ein „Schattenreich“ neben dem Tönnies-Konzern aufgebaut.

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