Florierender Einzelhandel
Hugo Boss ist wieder auf Kurs

Der schwache Start ist wettgemacht: Hugo Boss kann im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinn verbuchen. Auch der Umsatz nimmt zu.
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MetzingenKauflustige und zahlungskräftige Touristen haben Hugo Boss im Frühjahr die Kassen gefüllt und den Bekleidungshersteller trotz der kalten Witterung zurück auf Wachstumskurs gebracht. Nach Umsatz- und Gewinneinbußen im Auftaktquartal kletterten die Erlöse in den Monaten April bis Juni um zehn Prozent, der Überschuss schoss sogar um gut ein Viertel hoch. Mit dieser Geschäftsbelebung im zweiten Quartal sieht sich der Modekonzern "auf gutem Weg", die Rekorde des Jahres 2012 bei Umsatz und Ergebnis im laufenden Jahr mit erneuten Bestmarken zu übertreffen. Und auch über 2013 hinaus blieben die Aussichten "positiv", schrieb Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs an die Aktionäre in dem am Mittwoch veröffentlichten Halbjahresbericht. Der teure Ausbau des eigenen Ladennetzes schreite voran und mache Hugo Boss immer profitabler.

An der Börse legten die Aktien des vom Finanzinvestor Permira kontrollierten Modehauses um knapp ein Prozent zu, da der Gewinnanstieg kräftiger als erwartet ausfiel. Der Betriebsgewinn kletterte im zweiten Quartal bei einem Umsatzzuwachs auf 531,7 (Vorjahr: 485,3) Millionen Euro um 27 Prozent auf 75,5 Millionen Euro, da Hugo Boss seine Waren mit geringeren Preisabschlägen als zuletzt verkaufen konnte. Auch die Luxusgüterhersteller LVMH, Hermes und Kering hatten an der Börse positiv überrascht.

Denn viele Metropolen in Europa und Amerika profitierten im Frühjahr von Touristen auf Shopping-Tour, wie Hugo Boss im Halbjahresbericht vermerkte. Die Nachfrage der Reisenden habe der Branche in Europa über die schwache Konjunktur hinweggeholfen und in Amerika für solides Wachstum in den Warenhäusern gesorgt. In Asien griffen modebewusste Käufer vor allem in Hongkong, Macau und Japan in den Geldbeutel, während sich das Konsumklima in China abkühlte. In Europa und Asien erzielt Hugo Boss deutlich höhere Margen als in Amerika, wo der umkämpfte Großhandel die Geschäfte stärker bestimmt.

Der von vielen Markenherstellern vorangetriebene Ausbau des eigenen Ladennetzes - Ende Juni betrieb Hugo Boss weltweit 900 eigene Geschäfte - schlug sich positiv in der Bilanz nieder, obwohl dafür hohe Investitionen anfallen. In den in Eigenregie betriebenen Geschäften kann Hugo Boss in der Regel mehr Ware umschlagen, schneller auf Trends und Kundenwünsche reagieren und daher höhere Renditen erwirtschaften als im Großhandel. Der noch kleine Online-Vertrieb brummt ebenfalls. "Der eigene Einzelhandel wird im Jahr 2013 der Hauptumsatztreiber für den Konzern sein", unterstrich der Vorstand. Inzwischen übersteigt der Umsatz im eigenen Ladennetz den Großhandelserlös, die Zahl der selbstbetriebenen Geschäfte verdoppelte sich seit 2009. Bei der weiteren Expansion stehen Russland und Singapur im Fokus.

Im angestammten Modevertrieb über Warenhäuser und Fachgeschäfte wird die Luft für Hugo Boss immer dünner: Im Großhandel seien im laufenden Jahr Umsatzeinbußen um einen mittleren einstelligen Prozentsatz absehbar, stellte der Konzern mit knapp 12.000 Beschäftigten in Aussicht. Bisher war der Vorstand von Stagnation ausgegangen. Um diesen Trend abzumildern, dringt Hugo Boss bei seinen Großhandelspartnern darauf, mehr Verkaufsflächen selbst zu bewirtschaften. In den USA kam das Modehaus mit der Warenhauskette Saks überein, in 37 Einkaufstempeln den Verkauf seiner Marken selbst in die Hand zu nehmen. Hugo Boss hofft, sich mit eigenem Personal mehr Umsatz zu machen; Saks erhält eine Konzessionsgebühr und spart bei der Belegschaft. Auch in Spanien hat Hugo Boss diesen Weg bereits eingeschlagen.

Mit dem Rückenwind des zweiten Quartals ist der mit Herrenmode großgewordene Konzern zuversichtlich, sich von der weltweit unsicherer gewordenen Wirtschaftslage, die inzwischen auch die Stimmung in Schwellenländer eintrübt, abzusetzen. Bei Konzernumsatz und operativem Ergebnis (Ebitda) seien bis Jahresende - ohne Berücksichtigung von Währungseinflüssen und Sondereffekten - jeweils Zuwächse um hohe einstellige Prozentsätze zu erwarten, bekräftigte der Vorstand. Die Nachfrage in China werde sich erholen, auch in Japan - einem der größten Luxusgütermärkte weltweit - steige die Konsumstimmung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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