Flüchtlinge bei Lufthansa und Air Berlin: Wie Airlines mit Abschiebungen umgehen

Flüchtlinge bei Lufthansa und Air Berlin
Wie Airlines mit Abschiebungen umgehen

Die Bundesregierung will abgelehnte Asylbewerber konsequenter abschieben – unter anderem per Flugzeug. Die Airlines bereiten sich schon darauf vor. Müssen Fluggäste künftig mit unschönen Szenen an Bord rechnen?
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FrankfurtDie Vorstellung ist unangenehm. Da hat man es sich im Flugzeug nach dem „Boarding“ bequem gemacht und dann nehmen ein Vollzugsbeamter und ein abgeschobener Flüchtling nebenan Platz. Ein Bild, an das wir uns künftig besser gewöhnen sollten?

Eher nicht. Zwar will die Bundesregierung künftig Flüchtlinge ohne Aussicht auf ein Bleiberecht zügiger und konsequenter in ihre Heimat „rückführen“, wie es so schön heißt. Auch wird das sicherlich häufig mit dem Flugzeug geschehen. Doch die Erfahrungen der zurückliegenden Monate zeigen: Die Abschiebungen laufen in der Regel reibungslos, finden üblicherweise sogar völlig unbemerkt von den anderen Passagieren statt. „In der weit überwiegenden Zahl der Fälle – über 90 Prozent – geschieht eine solche Rückführung unbegleitet und problemlos, ohne irgendein Aufsehen zu erregen“, heißt es bei der Lufthansa.

Nach Medienberichten wurden im vergangenen Jahr fast 21.000 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr 2014. Angaben, wie viele davon per Flugzeug in ihre Heimat zurückreisten, gibt es bislang nicht. 2014 wurden 8557 Abschiebungen per Flugzeug vorgenommen – also die große Mehrheit der insgesamt 10.844 Rückführungen.

Für die Fluggesellschaften bedeutet das zwar zusätzliche Passagiere und damit auch Einnahmen. Aber zumindest bei Abschiebungen per Linienflug verdienen sie damit keine Extra-Prämie. „Für alle Passagiere, die im Rahmen einer Personenrückführung mit uns fliegen, gilt der reguläre Ticketpreis“, erklärt ein Sprecher von Lufthansa.

Anders sieht es bei speziell von der öffentlichen Hand für Abschiebungen gecharterten Flügen aus. Lufthansa bietet solche Flüge nicht an, wohl aber Air Berlin. Wie teuer ein solcher Sammeltransport ist, ist zwar nicht bekannt. Aber man darf davon ausgehen, dass sich die Fluggesellschaften eine solche Dienstleistung angemessen vergüten lassen.

Grundsätzlich wird eine Airline darüber informiert, ob sich unter den Passagieren abgeschobene Flüchtlinge befinden. Doch reisen Asylsuchende vor einer Abschiebung freiwillig zurück, ist das nicht zwingend der Fall. Denn die Airline weiß in der Regel nichts über die Gründe eines Passagiers für seinen Trip. Deshalb können Lufthansa und Air Berlin auch keine detaillierten Angaben darüber machen, wie viele Flüchtlinge sie in den zurückliegenden Monaten befördert haben.

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Pilot kann Passagier im Flieger „fixieren“ lassen

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  • Ja,ja, die Airlines, oder wie wir im Volksmund oft ganz spaßhaft sagen: Fluglinien.

  • Das Thema ist eindeutig zu früh!

    Beim Bundesamt für Migration liegen fast eine Million unbearbeitete Anträge und es ist absolut nicht abzusehen wie da abgeschoben werden kann!

    Es wundert einen ja berhaupt nicht in diesem Beamtenstaat, dass nichts vorwärts geht. Erst entlässt man den einen und holt den Weise und nun? Nichts, gleicher Beteuerungen wie vorher, also vor einem viertel Jahr!!!

    Übringens gibt es in den Ländern auch den Transitbereich am Flughafen.

    Also verstehe ich nicht weshalb wir uns so viele Gedanken machen sollen ob die Staaten irhre Landsleute wieder zurück nehmen!

    Aber erst denken und dann handeln, das scheint heute in der Politik nicht angebracht! Frau Merkel hebt Schengen einfach auf und lädt alles ein, lässt heute noch ungezügelt Zuwanderung zu, was soll einem da noch einfallen?
    Im Januar kamen fast 70000 Menschen um Asyl u beantragen! In einem Monat!!!!

    Wie soll das dann noch weiter gehen? Hört man da was von Merkel?

    All das kostet den Steuerzahler immensen Geld, Geld das er eigentlich gar nicht hat! Deshalb ist es doch legitim, dass man endlich vor Ort Asylanträge stellt und nicht erst in Deutschland! Somit wäre das Thema Abschiebung vom Tisch!

    Na ja, es ist müsig und ändert leider nullkommanull

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