Flüge gestrichen
Neue Rückschläge für Kassel-Calden

Deutschlands jüngster Flughafen sucht weiter nach Passagieren. Nun musste auch der erste Linienflug gestrichen werden. Die Verantwortlichen halten trotzdem an ihren optimistischen Zielen fest.
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DüsseldorfDie Pannenserie an Deutschlands jüngstem Flughafen geht weiter. Nach dem ersten Charterflug soll nun auch der erste Linienflug gestrichen werden. Gegenüber der Luftfahrt-Nachrichtenseite Aerotelegraph bestätigte eine Flughafensprecherin, dass der für den 2. Mai geplante Flug von Croatia Airline nach Split ausfallen wird. Der Grund ist wieder Passagiermangel. Es ist ein weiterer Rückschlag für den Provinz-Airport – und Wasser auf die Mühlen der Kritiker. Schon der erste reguläre Flug nach Antalya war ausfallen, weil nur sechs Passagiere gebucht hatten.

Der hessische Grünen-Vorsitzende Tarek Al-Wazir hatte schon zur Eröffnung im April seine Zweifel geäußert, dass der Flughafen erfolgreich betrieben werden kann. „Wir befürchten, dass zusätzlich zum verschwendeten Steuergeld der Vergangenheit in Zukunft auch noch die jährlichen Defizite aus Steuergeld gedeckt werden müssen“, sagte Wazir im Interview mit Handelsblatt Online.

Im Landeshaushalt sind im Jahr 2013 rund 4,5 Millionen Euro eingestellt, um die Verluste auszugleichen. „Verluste haben wir von vornherein eingeplant“, sagt der hessische Finanzminister Thomas Schäfer. In den Ausbau des Flughafens hatte die öffentliche Hand bereits 271 Millionen Euro investiert. Bis 2020 soll der Flughafen seine operativen Kosten wieder einfliegen, dafür müssen mehr als 600.000 Passagiere in Kassel starten.

Danach sieht es derzeit nicht aus. Der größte Kunde Rewe Touristik hat die Flüge nach Fuerteventura gestrichen, die Flüge nach Mallorca finden nur noch einmal pro Woche statt. Trotzdem bleiben die Verantwortlichen gelassen. Die Buchungszahlen für den Sommer würden stimmen. Außerdem müsse sich das Umfeld erst an die neuen Buchungsmöglichkeiten gewöhnen.

Obwohl der Flughafen in einem harten Wettbewerb mit den Nachbarflughäfen in Paderborn, Dortmund, Erfurt, Hannover, Frankfurt, Münster und Osnabrück steht, wollen die Betreiber zunächst auf Billigflieger verzichten. Dabei stagniert der Markt: Am nur 71 Kilometer entfernten Flughafen Paderborn sanken die Passagierzahlen 2012 um zehn Prozent.

Gewinne sind so erst einmal nicht zu erwarten. Das wissen auch Betreiber. „Wer hat gesagt, dass ein Flughafen eine schwarze Zahl braucht? Mit der gleichen Logik müssten wir den gesamten Bahnverkehr stilllegen“, hatte Maria Muller schon zur Eröffnung gegenüber dem Handelsblatt betont. Die volkswirtschaftlich positiven Folgen seien wichtiger als das betriebswirtschaftliche Ergebnis.

Kommentare zu " Flüge gestrichen: Neue Rückschläge für Kassel-Calden"

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  • Hier in der BRD GmbH ( Gesellschaft mit beschränkter Haltung ) heißt es, STEUERHINTERZIEHUNG SEI KEIN KAVALIERSDELIKT! Ich könnte mich totkotzen wenn ich soetwas lese! Was ist dann die Verschwendung von Steuergeldern, meines, Ihres und das derer, die es besser in Sicherheit gebracht hätten vor dem größten Raubritter dieses Landes, diesem System.
    Ins Zuchthaus gehören all diejenigen, die unsere Steuergelder so in den Sand setzen. Aber die Verschwendung von Steuergeldern ist hierzulande ja nur ein Kavaliersdelikt. Schäuble & Co. sorgen schon dafür das den Idioten nichts passiert. Der Deutsche ist ungemein Leidensfähig, hat schon Napoleon gesagt. Weiter so, der Tag der Abrechnung rückt näher und näher.

  • Wieso "Neue Rückschläge"?
    Kassel-Calden ist bei 0 gestartet und dort stehen geblieben.
    Danke an die CDU - Geldverbrenner!

  • Ich habe von Anfang an klar und deutlich gesagt: Wir müßen entsprechend Hartz4 allen Kassel-Calden zustimmenden Politikern und Verantwortlichen in der Wirtschaft dem Prinzip des "Förderns und Forderns" unterziehen. Bis der Flughafen die Gewinnzone erreicht, sind den entsprechenden Personen Diäten und Einkommen bis auf die für den Lebensunterhalt gesetzlich festgelegten Regelgrenzen zu entziehen.
    Erst dann haben sie auch den Anreiz die Rentabilitätsphase zu beschleunigen und den steuerzahlenden Bürger zu entlasten.
    Es besteht immerhin die Hoffnung, daß angesichts eines solchen Entlastungsmodells künftig politischer Größenwahn eingebremst wird

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