Flüghäfen
Einkaufen im Vorbeifliegen

Die Flughäfen spüren die Flaute in der Luftfahrt drastisch. Doch auf dem Boden läuft das Geschäft gut. In den Läden und Restaurants der Flughäfen wird immer mehr Geld umgesetzt. Der Einzelhandel ist inzwischen zu einem entscheidenden Bestandteil des Umsatzes eines Flughafens geworden - und rettet die Bilanzen der Betreiber.

FRANKFURT. Die Strategie der Drehkreuz-Flughäfen, stärker auf den Geschäftsbereich Einzelhandel zu setzen, macht sich in der Krise bezahlt. Das belegen die jüngsten Quartalszahlen. Danach sinkt zwar die Zahl der Passagiere weiter und damit auch die der potenziellen Kunden für die Shops am Flughafen. Doch gleichzeitig geben die Passagiere im Schnitt mehr aus.

Wie der größte deutsche Flughafen-Betreiber Fraport gestern mitteilte, ist der Netto-Erlös pro Passagier im ersten Quartal von 2,84 Euro auf 3,09 Euro gestiegen. Das ist nicht nur mehr, als das Fraport-Management selbst prognostiziert hat. Der Wert liegt auch deutlich über den Erwartungen vieler Analysten. "Die Entwicklung im Handel überrascht positiv, vor allem gegenüber der Jahresprognose von drei Euro und unseren eigenen Erwartungen von 2,90 Euro im gesamten Jahr", kommentierte Johannes Braun von der Commerzbank die Zahlen.

Ähnlich sieht die Situation am Flughafen München aus. Dort wird mit dem Umsatz je Passagier zwar anders gemessen, die Werte liegen traditionell deutlich höher und sind nicht mit denen von Fraport vergleichbar. Doch die Tendenz stimmt. Die Passagiere ließen im ersten Quartal mit 12,21 Euro im Schnitt mehr Geld in den Läden als noch im ersten Quartal 2008 (11,75 Euro). "Das zeigt, dass das Konzept aufgeht, auch in der Krise", sagt Walter Vill, der kaufmännische Geschäftführer des Münchener Flughafens.

Das Airport-Shopping zählt mittlerweile zu den wenigen Bereichen, die im Einzelhandel noch ansehnlich wachsen. Thomas Beyerle von der DEGI Deutsche Gesellschaft für Immobilienfonds mbH beziffert das weltweite Geschäft auf rund 35 Mrd. Dollar. Die jährlichen Wachstumsraten lägen bei zwölf Prozent. Im Spitzenjahr 2004 war sogar ein Plus von über 20 Prozent möglich.

Auch für die Flughäfen ist der Verkauf von Waren zu einer wichtigen Säule geworden. "Mittlerweile trägt der Einzelhandel zu einem entscheidenden Bestandteil des Umsatzes beziehungsweise Gewinns eines Flughafen bei", beschreibt Beyerle die aktuelle Situation.

Die Flughäfen profitieren vor allem indirekt von höheren Handelseinnahmen. Neben einer Fix-Miete bekommen sie von den Shop-Betreibern eine umsatzabhängige variable Miete. Der Flughafen München betreibt darüber hinaus über Tochtergesellschaften auch einen großen Teil der Läden und Gastronomie selbst, was allerdings in der Branche eine Ausnahme ist.

Wie abhängig die Airports mittlerweile von ihrer Handelssparte sind, zeigt das Beispiel der Schiphol Group in Amsterdam. Rund 26 Prozent des Konzernumsatzes in Höhe von 1,15 Mrd. Euro stammten 2008 aus der so genannten Consumersparte. Der Anteil am Betriebsergebnis lag sogar bei 47 Prozent.

Seite 1:

Einkaufen im Vorbeifliegen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%