Flugangst
„Es ist unangenehm, aber nicht gefährlich!“

Gegen Flugangst helfen auch Statistiken wenig. Wenn das Flugzeug abhebt, bricht bei manchen Passagieren pure Panik aus. Zwei Betroffene berichten, wie sie mit ihrer Angst umgehen.
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Der Start in den Urlaub kann für manche Passagiere ein echter Albtraum sein: Wer mit Flugangst in den Flieger steigt, dem helfen auch Statistiken nicht gegen die Angst. Zwei Betroffene berichten, wie sie mit ihrer Panik umgehen – und was der Absturz der Germanwings-Maschine für sie bedeutet.

„Ich fand Fliegen – außer als Kind – nie toll. Irgendwann musste ich ein Durchstartmanöver über mich ergehen lassen: In dem Moment, in dem wir mit dem regulären Aufsetzen der Maschine gerechnet hatten, zog der Pilot den Flieger gefühlt senkrecht wieder hoch. Dann vergingen viele Minuten ohne Durchsage, bevor sich der Pilot mit den Worten meldete: „Liebe Fluggäste, wie sie bemerkt haben, mussten wir durchstarten. Beim Landeanflug war der Wind so stark, dass wir nicht sicher waren, die Maschine sicher zu landen. Jetzt Kreisen wir hier ein wenig und VERSUCHEN es in ein paar Minuten noch einmal.“ Das hat mir den Rest gegeben, da ich ja sowieso schon Angst hatte.

Mein nächster Flug, bei dem es leichte Turbulenzen gab, war für mich ein Albtraum. Und danach merkte, dass ich leichte Vermeidungstendenzen entwickelte, wenn es um da Fliegen ging. Da ich aber Reisen wollte und auch immer noch will, habe ich mich für das Seminar entschieden. Der Kurs gegen Flugangst hat mir viel gebracht: Er hat mir Sicherheit gegeben und Strategien aufgezeigt, was ich tun kann, wenn die Angst kommt und größer wird. Die Schattenseite: neue Ängste. Denn wenn in einem Seminar acht Menschen mit Flugangst sitzen und benennen sollen, wovor genau sie sich fürchten, bekommt man ganz neue Ideen, wovor man noch Angst haben könnte.

Wenn ich jetzt fliege und das Flugzeug gerät in Turbulenzen, wiederhole ich immer noch das Mantra, das uns der Psychologe im Seminar mit auf den Weg gegeben hat: „Es ist unangenehm, aber nicht gefährlich!“

Hilfreich waren auch die technischen Erklärungen des Piloten im Seminar. Es ist wichtig für mich zu wissen, warum ein Flugzeug fliegt und dass sich eine Tür während des Fluges nicht öffnen lässt. Beruhigend ist auch die Erkenntnis, dass es alle Systeme und Computer in einem Flugzeug mindestens zweimal gibt, damit noch Ersatz da ist, wenn eines versagen sollte.

Der Absturz der Germanwings-Maschine hat die Angst wieder sehr stark in den Vordergrund gerückt. Wenn so etwas passiert, kann man seine eigene Angst nicht einfach verdrängen. Ich hatte schon immer ein mulmiges Gefühl, wenn ich mitbekam, dass ein Pilot das Cockpit verließ. Auf meinen nächsten Flug freue ich mich wirklich nicht.“

Nina Jendrek, 41

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„Rationale Statistiken helfen nur vor dem Flug“

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