Flugbegleiter-Ausstand
„Ich weiß noch nichts, aber wird schon klappen“

Bis zum Mittag streiken die Flugbegleiter der Lufthansa. Im Terminal am Frankfurter Flughafen werden die Warteschlangen länger und länger. Und auf dem Rollfeld werden mittlerweile die Parkpositionen knapp.
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FrankfurtNoch ist die Stimmung bei den beiden Eheleuten gut. Es ist halb neun am Morgen. Voller Zuversicht wuchten sie ihre Koffer in die S-Bahn zum Flughafen Frankfurt. Es geht nach Rom übers Wochenende. „Noch in der Nacht wurden wir umgebucht. Jetzt fliegen wir zwar drei Stunden später, aber das ist noch okay. Die Umbuchung ging reibungslos, da kann man nichts sagen“, lobt der der Ehemann.

Gleich nebenan ist die Stimmung schon etwas gereizter. Ein junger Mann will nach Paris. „Ich weiß noch nichts, aber wird schon klappen“, sagt er nur und wendet sich ab, um den aktuellen Stand mit seinem Smartphone zu checken.

Vor allem Kurzstreckenflüge hat die Lufthansa gestrichen. Als der Mann wenige Minuten später das Terminalgebäude betritt, ist auch der Rest der guten Laune dahin. Eben hat er erfahren, dass sein Flug ausfällt.

Nun heißt es Schlangestehen. Die wendet sich aber Meter um Meter durch die riesige Halle. Wo das Ende ist, wo sie hinführt – keiner weiß es so genau. Es ist nicht wirklich Chaos, es ist nur einfach frustrierend voll. Und es geht nur langsam voran. „Ich stehe hier schon über eine Stunde“, erzählt ein Mann einem Kamerateam von der Agentur Reuters.

Das Lufthansa-Personal bemüht sich nach Kräften. Überall laufen sie herum, helfen bei Fragen, an den überlasteten Check-in-Automaten. Doch morgens ist Hauptreisezeit am Frankfurter Flughafen, die Schlangen werden immer länger statt kürzer. Auch am benachbarten ICE-Bahnhof. Viele Passagiere wollen umsteigen auf die Bahn. Doch auch hier heißt es erst einmal warten.

Die Bahn setzt wegen des Streiks am Freitagvormittag mehr Züge als sonst ein. Die Bahn habe mit der Lufthansa ein entsprechendes Kooperationsangebot „Good for Train“ abgeschlossen, teilte die Deutsche Bahn in Berlin mit. Auf den Bahnhöfen soll zusätzliches Personal Fahrgäste informieren. Passagiere des innerdeutschen Flugverkehrs könnten ihr elektronisches Ticket in einen Reisegutschein für die Deutsche Bahn umwandeln lassen.

Der Streik der Lufthansa-Flugbegleiter zeigt Wirkung. Mittlerweile können in Frankfurt kaum mehr Flugzeuge landen. Grund sei, dass die Parkpositionen knapp würden, sagte ein Sprecher von Deutschlands größtem Flughafen. Der Airport habe deshalb die Anweisung erteilt, dass europaweit keine Flüge mehr nach Frankfurt starten sollten.

Ein Großteil der 360 geplanten Flüge im Streikzeitraum von 5 bis 13 Uhr werde ausfallen, sagte eine Lufthansa-Sprecherin am Freitag. Betroffen seien Flüge von und nach Frankfurt, der Heimatbasis von Deutschlands größter Fluggesellschaft. Auch die wirtschaftlich besonders lukrativen Langstrecken-Destinationen fielen vereinzelt aus, vor allem aber Kurz- und Mittelstrecken.

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Ufo wirft Lufthansa vor, Streikwillige zu bedrängen

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  • Gewinne sind zweifelsohne ein sinnvolles Movens.
    Ob man sie allerdings ausschließlich über Einsparungen am Produkt, in diesem Fall Lufttransport, überhaupt in der Weise erzielen kann, in der es wünschenswert ist, im Übrigen auch für die MA eines Hauses steht auf einem ganz anderen Blatt.
    Der Kunde merkt so etwas und reagiert verstimmt, da er feststellen muß, dass er mehr für weniger Leistung zu bezahlen hat.
    Eine Korrelation, die jedem Unternehmen auf Dauer nicht gut tun kann.
    CG bedeutet nichtzuletzt auch unternehmerische Phantasie: an der mangelt es zusehends in deutschen Führungsetagen, die immer mehr einem unschönen Bild von Unternehmenskultur zu entsprechen scheinen.
    Wer am Kunden spart, erspart sich so auf Dauer auch den Kunden.
    Ob so eine Sichtweise sich am Markt als durchsetzungsfähig erweisen kann?
    Die Märkte werden es zutage befördern: dessen jedenfalls darf man gewiß sein.

  • Leider bedenkt halt keiner, dass ein Unternehmen Gewinn machen muss, um langfristig zu überleben. Die Lufthansa-Mitarbeiter gefährden hier ihren eigenen Arbeitsplatz.
    Zum Glück gibt es ja nicht nur Lufthansa.

  • UFO macht es schon richtig: mir egal, ob jemand mehr verdient als ich.
    Was zusehends zum Standardpräferenzmodell für Kostenrechner zu gehören scheint: Tagesarbeitsverträge a la Post AG.
    Die Post wird inzwischen von Tagelöhnern ausgetragen.
    Mal sehn, was da noch auf der Uhr steht.

    Vielleicht braucht man ja künftig gar kein Kabinenpersonal mehr: vorn der Autopilot und hinten die Safttheke mit Selbstbedienung und Münzeinwurf und Scheinchenzähler.
    Vorbild: die gute alte Daddelhalle, der es als "Spielhalle" nun an den Kragen gehen soll.
    Sowas mag der Dienstleister: nur noch Kohle zählen, dann braucht man auch kein Produkt mehr, das sich am Weltmarkt behaupten muß.

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