Flugbegleiter-Streik
Auch heute fallen Lufthansa-Flüge aus

Die Flugbegleiter der Lufthansa streiken am Freitag in ganz Deutschland von 0 bis 24 Uhr. Das teilte ihre Gewerkschaft Ufo mit. Die Airline muss sich auf einen der größten Arbeitskämpfe ihrer Geschichte vorbereiten.
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MünchenLufthansa-Passagiere müssen nach den Streiks der Flugbegleiter auch am Mittwoch noch mit Flugausfällen rechnen. Heute dürften rund 20 innerdeutsche und europäische Flüge ausfallen, sagte Unternehmenssprecher Michael Lamberty am Morgen. Am Donnerstag seien streikbedingte Flugausfälle "nahezu auszuschließen". Wegen des Ausstands mussten nach Angaben des Sprechers 75 Reisende die Nacht auf Mittwoch auf dem Frankfurter Flughafen verbringen. Da sie in Frankfurt lediglich umsteigen wollten, besaßen sie kein Visum für die Einreise nach Deutschland. Rund 1500 Fluggäste verbrachten die Nacht in Hotels.

Die Flugbegleiter hatten am Dienstag in Berlin und Frankfurt für je acht Stunden ihre Arbeit niedergelegt, in München streikten sie elf Stunden lang bis Mitternacht. Hunderte Flüge wurden gestrichen, mehr als 40.000 Passagiere waren betroffen. Da sich dennoch in dem Tarifkonflikt keine Bewegung abzeichnet, rief die Gewerkschaft UFO für Freitag zum ersten Mal zu Streiks an allen Lufthansa-Flughäfen in Deutschland von 00.00 bis 24.00 Uhr auf. Die Fluggesellschaft muss sich damit auf einen der größten Arbeitskämpfe in ihrer Geschichte gefasst machen.
Gestern hatten die Flugbegleiter der Lufthansa den Tarifstreit deutlich verschärft: Für Freitag kündigte die Gewerkschaft Ufo bundesweite Streiks des Kabinenpersonals für 24 Stunden an. Betroffen seien davon die Flughäfen Frankfurt am Main, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart und München, sagte der Chef der Gewerkschaft UFO , Nicoley Baublies. Grund für die Ausweitung des Arbeitskampfs sei die starre Haltung der Lufthansa. Die Fluggesellschaft habe bislang kein neues Angebot vorgelegt, sagte er.

Die Lufthansa könne den Ausstand noch abwenden, wenn sie ein Schlichtungsverfahren einleite, sagte UFO-Chef Nicoley Baublies dem Bayerischen Rundfunk. Der Konzern bleibt jedoch hart. "Wir sehen keinen Grund für eine Schlichtung, weil die Offerte schon auf dem Tisch liegt und sie eine gute Basis für weitere Verhandlungen ist", sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Baublies verteidigt die Arbeitskampftaktik seiner Organisation. Die Lufthansa rufe zwar zu Gesprächen auf, habe sich aber seit Beginn der Streiks von Stewardessen und Stewards nicht gerührt, sagte Baublies am Dienstagabend im ZDF-"heute Journal". Die Fluggesellschaft wolle die Gehälter des Kabinenpersonals um 20 bis 30 Prozent kürzen.

Der UFO-Chef sagte, seine Gewerkschaft habe eine Senkung der Personalkosten angeboten. Die Lufthansa wolle aber sowohl Einbußen für die Flugbegleiter als auch die Gründung einer Billigfluglinie. Nachdem 13 Monate Verhandlungen zu keinem Ergebnis geführt hätten, müsse auch für eine kleine Gewerkschaft wie UFO der Streik eine Option sein. Die Ankündigung eines bundesweiten Streiks für Freitag lasse Lufthansa und Passagieren zweieinhalb Tage Zeit für die Vorbereitung. Die bisherigen Streiks hatte die Gewerkschaft jeweils nur sechs Stunden vor Beginn angekündigt.

Vom jüngsten Ausstand der Flugbegleiter an den Flughäfen Frankfurt, Berlin und München waren am Dienstag mindestens 43.000 Fluggäste betroffen . Diese Zahl nannte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstagnachmittag in einer ersten Bilanz. Am Freitag, dem ersten Streiktag, waren es 26.000 Passagiere.

Am Berliner Flughafen Tegel hatte die Arbeitsniederlegung am Dienstag gegen 5.00 Uhr begonnen. Eine Stunde später folgte das Kabinenpersonal in Frankfurt am Main, wie Ufo-Sprecher Alexander Behrens am Dienstagmorgen bestätigte. An beiden Standorten dauerte der Ausstand jeweils acht Stunden.

Auf ihrer Internetseite teilte die Lufthansa am Dienstag mit, dass rund die Hälfte aller Kurz- und Mittelstreckenverbindungen entfalle, zudem auch einige Langstreckenflüge. Insgesamt standen bei der Lufthansa für den Streikzeitraum von 6 Uhr bis 14 Uhr 370 Flüge im Frankfurter Flugplan. In Berlin entfielen „einige“ Flüge, hieß es.

Nach Berlin und Frankfurt bestreikten die Flugbegleiter am Nachmittag noch den Flughafen in München. Der Ausstand soll von 13.00 Uhr bis Mitternacht dauern.

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  • Hi ihr Poster,
    wer hier sich bei der Lufthansa nicht mehr wohl fühlt, dem steht es doch frei, den Job zu wechseln und sich einen neuen Job zu suchen.

    Außerdem gibt es für die Betroffenen Leute doch noch mehr als genug andere Verkehrsmittel zur Verfügung: entweder das eigene Auto, die ganzen Mitfahrzentralen im Internet, dann die Busreise-Unternehmen, auch im Internet stehen die Busser schon Gewehr bei Fuß:

    http://www.deinbus.de/

    http://meinfernbus.de/

    Darüber hinaus gibt es in den benachbarten Eu-Ländern ebenfalls gute Airports und da kommt man mit Auto, Bahn und Bus doch gut hin. Und was von Deutschland nicht möglich ist, ist von dort möglich: nämlich wegfliegen.

    Darüber hinaus gibt es für Skanidnavien ja auch noch die Schiffsfahrten. Siehe Hurtig-Routen oder Scandlines und andere.

    Und wenn alle Stricke reißen, dann gibt es für Unternehmen doch auch noch die Teleconferencing-Technologie. Ohh man....von daher: es gibt sehr wohl Auswege, wie man diese UfO mal richtig alt aussehen lässt.

    Und die Lufthansa lässt sich meiner Meinung nach viel zu sehr in die Opferrolle drängen anstatt das Heft des Handelns in der Hand zu behalten. Denn was die UfO hier macht, ist nichts weiter als aalglatte Erpressung.

    Siehe dazu mal § 253 StGB bezüglich Erpressung. Denn was die UfO hier vorhat mit dem "größtmöglichen wirtschaftlichen Schaden für die Lufthansa" ist nichts weiter als Erpressung und genau dass steht gleich im Absatz 1 davon drin.

    Denn auch wenn es im Artikel9 Grundgesetz ein Grundrecht auf Streik gibt, so hat doch auch jeder Arbeitskampf Regeln. Jeder Arbeitskampf darf nur so weit gehen, wie keine unbeteiligten Dritten geschädigt werden. Und dass ist hier bereits der Fall. Wer sind hier die geschädigten:

    die Betreibergesellschaften der bestreikten Flughäfen

    die Lufthansa

    die Passagiere und

    deren Arbeitgeber!

    Denn mit der Lufthansa fliegen nicht nur Touristen, sondern auch Berufspendler für ihre Arbeitgeber.

  • Ich fliege sowieso lieber mit der Emirates ...

  • Schade, dass Flugbegleiter in der öffentlichen Meinung oft als die puren Saftschubsen gesehen werden.
    Bei einer Evakuierung oder Feuer an Bord bricht ohne sie aber 100%ig Chaos aus - und die Piloten haben dann schon genug mit dem Flieger zu tun. Selbst der Copilot, der übrigens auch fliegen kann ;)
    Deshalb ist es zum Glück nicht erlaubt, ohne Flugbegleiter zu fliegen.

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