Flugbranche
Alitalia muss 300 Millionen zurückzahlen

Eine gute und eine schlechte Nachricht hat Alitalia ges-tern aus Brüssel erhalten. Die EU-Kommission genehmigt den geplanten Verkauf der Alitalia an das private Investorenkonsortium CAI, fordert aber gleichzeitig 300 Mio. Euro zurück, weil der Überbrückungskredit vom Frühjahr eine illegale Staatshilfe darstellt.

MAILAND. Die italienische Regierung hatte der kriselnden Fluggesellschaft den Kredit im April gewährt, um den Flugbetrieb bis zum Verkauf der halbstaatlichen Alitalia zu sichern. Die 300 Mio. Euro muss nach Angaben der EU-Kommission noch die alte, bestehende Alitalia an den italienischen Staat zahlen und nicht die neuen Investoren. Nach Angaben des italienischen EU-Verkehrskommissars werde Alitalia die Summe dank des Kaufpreises bezahlen könne, den sie von dem Konsortium erhält.

Nach mehreren gescheiterten Verkaufsversuchen wird die bisherige Alitalia in eine Bad Company und eine Good Company aufgeteilt. Die Bad Company bleibt in Staatshand und übernimmt die Verlustbringer und die Schulden von Alitalia. Die privaten Investoren dagegen übernehmen nur die Good Company und damit den operativen Betrieb.

Die EU-Kommission besteht darauf, dass CAI (Compagnia Aerea Italiana) für die Aktiva von Alitalia den tatsächlichen Marktpreis bezahlt. "Wir sind überzeugt, dass der Verkauf der Aktiva zu Marktpreisen es Alitalia ermöglicht, die nötigen Mittel zu bekommen um ihre Gläubiger zu bezahlen und damit auch den italienischen Staat", sagte der Kommissar Tajani. Die Investorengruppe CAI hat eine Kapitalerhöhung von rund einer Milliarde Euro beschlossen. Sie bietet 375 Mio. Euro für die Flugzeuge und Leasingverträge und 625 Mio. Euro für die Schulden der Airline.

Die italienische Politik begrüßte die Entscheidung aus Brüssel: "Die Autorisierung der EU ist eine sehr positive Nachricht", sagte Gianni Alemanno, Bürgermeister der Stadt Rom, in der Alitalia ihren Sitz hat.

Die Zeit drängt und die Lage gestaltet sich schwierig: Die CAI-Investoren wollen noch bis Weih-nachten den Betrieb aufnehmen und noch in diesem Monat ihren interna-tionalen Partner bekannt geben. Doch wilde Streiks von Alitalia-Mitarbeitern legen seit mehreren Tagen einen Großteil der Flüge lahm. Sie protestieren gegen den Rettungsplan der CAI und die geplanten Stellenstreichungen und veränderten Arbeitsbedingungen. Die Proteste zeigen, dass die starken Gewerkschaften auch die neuen Eigentümer boykottieren, was wiederum die potenziellen ausländi-schen Partner abschrecken könnte.

Bisher sind vor allem Lufthansa und Air France-KLM an einem Einstieg von rund 20 Prozent interessiert. Lufthansa baut jedoch parallel dazu bereits auf eigene Faust ihre Präsenz am norditalienischen Flughafen Malpensa aus. Damit könnten die Deutschen auch ohne die Hilfe der neuen Alitalia den interessanten italienischen Markt erobern.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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