Flugbranche
Lufthansa kündigt Kurzarbeit an

Die Fluggesellschaft Lufthansa plant wegen rückläufiger Passagierzahlen Kurzarbeit beim Bodenpersonal. Nach derzeitigem Stand sind rund 1 000 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten betroffen. Noch gibt es aber einiges zu klären.

FRANKFURT. Die Lufthansa stellt sich auf eine weiter sinkende Nachfrage im Passagiergeschäft ein. Das Unternehmen will rund 1 000 Mitarbeiter des Bodenpersonals in Kurzarbeit schicken. Nach Angaben von Lufthansa laufen die entsprechenden Vorbereitungen bereits. Betroffen seien mehrere Standorte, nicht allerdings die beiden deutschen Drehkreuze des Konzerns, Frankfurt und München.

"Wir wollen auch inmitten der weltweiten Wirtschaftskrise Arbeitsplätze sichern. Dazu müssen wir unser Angebot und unsere Kapazitäten der aktuellen Nachfrage anpassen", sagte Karl Ulrich Garnadt, der Bereichsvorstand Service & Personal der Lufthansa Passage, gestern.

Bereits seit Monaten hat die gesamte Luftfahrt-Industrie mit sinkender Nachfrage zu kämpfen. Auch bei Lufthansa, der zweitgrößten Airline Europas, werden Monat für Monat weniger Tickets gebucht, vor allem in der margenträchtigen First- und Business-Class. Alleine im Monat Februar hat der Kranich 10,5 Prozent weniger Fluggäste gehabt.

Wie zu hören ist, werden intern für die Passage Einbrüche auf dem Niveau des Frachtgeschäfts nicht mehr ausgeschlossen. Lufthansa Cargo hatte zuletzt monatliche Rückgänge von bis zu 25 Prozent zu verkraften. Die Lufthansa-Tochter hatte deshalb bereits vor einigen Wochen Kurzarbeit angemeldet.

Nun erweitert das Management auch in der Passage das bisherige Paket an Maßnahmen. Bislang wurden bereits in einzelnen Flugzeugen Business-Class-Sitze aus- und dafür Economy-Class-Sitze eingebaut. Dadurch kann das Unternehmen die Flugzeuge besser auslasten, auch wenn der Pro-Kopf-Ertrag sinkt. Ziele wurden noch nicht gestrichen, bislang geht es ausschließlich um die Reduzierung von Kapazitäten und Flugfrequenz.

Zudem wurden 24 Maschinen aus dem Verkehr gezogen. Dadurch wird sowohl die Kapazität auf den Sitzen als auch bei der Fracht in den Laderäumen der Passagiermaschinen reduziert. Nils Machemehl, Analyst von der BHF Bank, weist darauf hin, dass nach LH-Angaben sogar bis zu 100 der insgesamt 534 Kranich-Flieger vorübergehend ohne große Kosten am Boden gelassen werden könnten. "Das klingt nach unserer Meinung schlüssig, schließlich sind 150 Flugzeuge der Flotte älter als 15 Jahre. Diese Flugzeuge sind komplett abgeschrieben", sagt Machemehl.

Die nun geplante Kurzarbeit zielt vor allem auf die Fluggastbetreuung. Nach Lufthansa-Angaben werden während der Kurzarbeit mindestens 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens gesichert. Betroffen werden rund 1 000 der insgesamt 31 000 Mitarbeiter in der Sparte Passage.

Ziel des Managements ist, auch 2009 in den schwarzen Zahlen zu bleiben. In der vergangenen Woche hatte Lufthansa-Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber erklärt, er rechne für 2009 zwar mit einem sinkenden Betriebsergebnis, aber immer noch mit einer deutlich positiven Zahl. Damit steht Lufthansa deutlich besser da als die beiden europäischen Erzrivalen Air France-KLM und British Airways.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%