Flugbranche
Neue Kapitalspritze für Japan Airlines

Die angeschlagene Fluglinie Japan Airlines braucht massive Hilfe vom Staat. Laut eigener Aussage steht die Regierung in Tokio vor hohen Investitionen: "Gewaltiger Summen" von Steuergeld werden für JAL gebraucht.
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TOKIO. Die japanische Regierung will die trudelnde Fluglinie Japan Airlines (JAL) mit neuer Milliardenhilfe stützen. "In Anbetracht des globalen Netzes und seiner Funktion beim Zusammenhalt regionaler Volkswirtschaften ist eine Wiederbelebung von JAL von großer Wichtigkeit für die japanische Wirtschaft und für die Regierungspolitik", sagte Verkehrsminister Seiji Maehara gestern in Tokio. "JALs Einsatzgebiet erstreckt sich über den halben Himmel Japans."

Erstmals gehört auch eine direkte Kapitalbeteiligung an Asiens größter Airline zum Gesundungspaket, das eine Kommission des Verkehrsministeriums dem Minister gestern nach wochenlangen Beratungen übergeben hat. JAL hat daraufhin seinerseits Gespräche mit der zuständigen staatlichen Beteiligungsgesellschaft aufgenommen.

Japanischen Medienberichten zufolge sind allein über fünf Mrd. Euro nötig, um den laufenden Betrieb in den kommenden Monaten aufrecht zu erhalten. Nachdem die Frage der Staatshilfe für JAL nun geklärt ist, können auch Gespräche über den Einstieg eines US-Konkurrenten weitergehen. Die Japaner verhandeln mit American Airlines und Delta Air Lines über eine Beteiligung an dem Traditionsunternehmen.

Die Regierungshilfe ist an die Auflage gebunden, dass JAL selbst einen Gesundungsplan vorantreibt. Bei der Umsetzung wollen staatliche Behörden jedoch künftig mitreden. Vorgesehen ist, dass eine staatliche Organisation zur Firmenrettung die Restrukturierung überwacht und auch das Kapital zuschießt. Die Enterprise Turnaround Initiative Corporation (ETIC) ist Nachfolgerin einer Wiederbelebungsbehörde für Unternehmen, die in den 90er-Jahren aktiv war. Nach Japans Finanzkrise hatte sie die Aufräumarbeiten vorangetrieben. Sie zwang unterkapitalisierte Zombie-Unternehmen zur Konzentration auf profitable Geschäftsfelder - in vielen Fällen mit beachtlichem Erfolg, etwa bei dem Kosmetikunternehmen Kanebo.

Doch es mehren sich bereits Zweifel, ob die Regierung diesmal der richtige Partner für eine tiefgreifende Trendwende ist. "Die Wiederbelebung von JAL wird schwierig und langwierig", prophezeit Hiroyuki Nakai vom Tokai Tokyo Research Center. "Es gibt viele offene Fragen, und der Restrukturierungsplan muss noch mit den Gewerkschaften abgeklärt werden." Die derzeitige Regierung stehe traditionell der Arbeiterbewegung nahe. Daher sehe er die Gefahr, dass JAL mit dem Staatsgeld einen allzu arbeitnehmerfreundlichen Kurs fliegen dürfe. Das wahre Problem - die hohe Kostenbelastung - könnte so liegen bleiben.

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