Flugbranche
SAS streicht bis zu 1500 Stellen

Die skandinavische Fluggesellschaft SAS will mit einem neuerlichen Sparprogramm ihr Überleben sicherstellen. Nach einem Verlust im zweiten Quartal kündigte das Unternehmen am Mittwoch an, weitere 1000 bis 1500 Arbeitsplätze zu streichen.

STOCKHOLM. Mats Jansson konnte sich einen gewissen Sarkasmus nicht verkneifen. „Selbst die Berliner Mauer ist letztlich gefallen“, sagte der Chef der skandinavischen Fluggesellschaft SAS und spielte damit auf den vehementen Widerstand der Gewerkschaften gegen Lohnkürzungen an. Jansson will jetzt einen neuen Anlauf unternehmen. Die seit Jahren in schweren Turbulenzen fliegende SAS hat auch im zweiten Quartal dieses Jahres erneut tiefrote Zahlen eingeflogen. „Wir müssen mit unseren Wettbewerbern auf Augenhöhe konkurrieren“, sagte Jansson und kündigte die Streichung von 1000 bis 1500 Stellen an. Gleichzeitig forderte er Lohnkürzungen beim fliegenden Personal von 15 bis 20 Prozent.

Die halbstaatliche, von Dänemark, Norwegen und Schweden betriebene Airline hatte zuletzt vor zwei Monaten mit den insgesamt 39 Gewerkschaften in den drei Ländern über Gehaltssenkungen verhandelt. Doch die Arbeitnehmerorganisationen lehnten das kategorisch ab. Nun verschärft SAS-Chef Jansson den Ton und bezeichnet die bislang geltenden Tarifabkommen als „Relikt aus vergangenen Zeiten“ als die SAS in Nordeuropa noch eine Quasi-Monopolstellung besaß. Jetzt müssten diese Abkommen neu verhandelt werden. „Das ist eine Tatsache. Das ist eine Forderung. Das ist eine Frage des Überlebens“, richtete Jansson seinen eindringendlichen Appell an die Gewerkschaften. Die Verhandlungen sollen unmitttelbar aufgenommen werden.

Die Fluggesellschaft befindet sich seit der Liberalisierung der Flugmärkte und dem Aufkommen von Billig-Airlines in der Krise. Deshalb hat die SAS bereits mehrere umfassende Sparmaßnahmen durchgeführt. Derzeit läuft das Programm „Core SAS“, mit dessen Hilfe die Gesellschaft bis 2011 rund 4,5 Mrd. Kronen (436 Mio. Euro) einsparen will. Der Maßnahmenkatalog umfasst die Streichung von mehreren interkontinentalen Strecken und die Konzentration auf Nordeuropa als Hauptmarkt. Mit dem gestern vorgestellten zusätzlichen Programm will die SAS hauptsächlich über Gehaltskürzungen weitere zwei Mrd. Kronen einsparen. Außerdem sollen über 14 bereits ausgemusterte Flugzeuge weitere sieben Maschinen am Boden bleiben.

Die SAS verdoppelte im zweiten Quartal ihren Nettoverlust gegenüber dem Vorjahr auf knapp über eine Mrd. Kronen. Trotz der tiefroten Zahlen zog die SAS-Aktie in Stockholm um über drei Prozent an, da Analysten mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet hatten. Der Umsatz von 12,2 Mrd. Kronen entsprach dagegen den Erwartungen. Durch die anhaltend schwachen Zahlen der SAS dürften deren Chancen, einen Partner wie etwa die Lufthansa zu finden, deutlich kleiner geworden sein. Im vergangenen Jahr hatte die SAS bestätigt, dass man nach einem strategischen Partner Ausschau halte. In dem Zusammenhang war die Lufthansa als Wunschkandidat genannt worden.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%