Fluggesellschaft
British Airways drängt auf Gehaltsverzicht

British Airways (BA) hat seine Mitarbeiter um Verzicht auf ihr Gehalt gebeten. In einer E-Mail ersucht BA-Chef Willie Walsh die mehr als 30 000 Mitarbeiter in Großbritannien, eine Woche bis einen Monat entweder umsonst oder gar nicht zu arbeiten. Erst kürzlich hatte Walsh in einer Mitarbeiterzeitung geschrieben, die Fluggesellschaft kämpfe ums Überleben.

HB LONDON. Walsh selbst verzichtet Medienberichten vom Dienstag zufolge auf sein Gehalt für Juli - umgerechnet 75 000 Euro. Der Gehaltsverzicht der Belegschaft gehört laut den Meldungen zu den derzeitigen Maßnahmen im "Kampf ums Überleben".

Schon zuvor hatte die britische Fluggesellschaft Mitarbeitern Teilzeitbeschäftigung oder unbezahlten Urlaub angeboten, um die Kosten zu senken. Im vergangenen Jahr hatte BA die Gehälter eingefroren und 2 500 Jobs gestrichen. Ein weiterer Stellenabbau ist nun möglich. BA beschäftigt derzeit 40 000 Mitarbeiter.

Die Krise in der Luftfahrt sei so ernst wie nie zuvor, so Walsh vor wenigen Wochen in einer Mitarbeiterzeitung. "Es gibt eine bedeutende Veränderung im Verhalten der Verbraucher - die Leute wollen mehr bekommen und weniger bezahlen. Und es wird immer schlimmer. Wir haben die Talsohle noch nicht erreicht, und alles lässt einen langwierigen Abschwung erwarten." Dennoch hatte der BA-Chef erst kurz zuvor nochmals betont, das Unternehmen solle die führende Premium-Fluggesellschaft der Welt werden.

Walsh hatte den Konzern mit harter Hand auf Vordermann gebracht, und musste jetzt erfahren, wie alle Erfolge der vergangenen Jahre sich binnen weniger Monate in Luft auflösten. Im Mai brachen die Passagierzahlen um 7,3 Prozent ein. Im Geschäftsjahr bis Ende März verbuchte die Gesellschaft einen Rekordverlust von umgerechnet knapp 460 Mio. Euro und strich deshalb die Dividendenzahlung. Das Vorjahr hatte das Unternehmen noch mit einem Rekordgewinn von mehr als eine Mrd. Euro abgeschlossen. Probleme bereiteten der 1987 privatisierten British Airways (BA) vor allem Treibstoffkosten, die ein Loch von drei Mrd. Pfund in die Bilanz rissen. Auch das schwache Pfund war für den hohen Verlust verantwortlich. Für die nächste Zeit gab die Fluggesellschaft damals keine Prognose ab.

Bei der Vorlage des Jahreszahlen hatte BA-Chef Willie Walsh gesagt, er sehe "nirgends Zeichen des Aufschwungs". Das Unternehmen sei wegen der globalen Wirtschaftskrise im bisher schwierigsten Handelsumfeld. Im Winter streicht BA nun seine Kapazitäten um vier Prozent zusammen. Walsh räumte bei der Präsentation zudem ein, dass die Gespräche mit der spanischen Fluggesellschaft Iberia über einen Zusammenschluss derzeit schleppend verliefen. Beide Unternehmen konzentrierten sich derzeit auf ihr eigenes Kerngeschäft. British Airways hatte den Partner zudem mit einem unglücklichen Flirt mit der australischen Qantas verärgert. Die Verwirklichung der Idee von einem großen globalen Luftfahrtkonzern wird immer unwahrscheinlicher.

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