Fluggesellschaft
Dubai will Olympic Airlines retten

Mehr als eine Million Verlust macht die Olympic Airlines - pro Tag. Ein Finanzinvestor bietet jetzt 200 Millionen Euro für die griechische Fluggesellschaft. Die Privatisierung soll der Regierung in Athen viel Geld sparen. Denn bislang sind alle Verkaufsversuche gescheitert.

ATHEN. Die Marfin Investment Group (MIG), hinter der das Emirat Dubai mit seinem Staatsfonds Dubai Financial LLC steht, will die chronisch defizitäre griechische Fluggesellschaft Olympic Airlines (OA) übernehmen. Damit wolle MIG Arbeitsplätze und den Flugbetrieb sichern, der gerade in der gegenwärtigen Finanzkrise für den Tourismus und die Wirtschaft des Landes besonders wichtig sei, erklärte das Unternehmen.

MIG sei bereit, rund 200 Mio. Euro für Olympic zu zahlen, sagte Vizepräsident Andreas Vgenopoulos. Die Verhandlungen sollen am Dienstag beginnen. Athen hoffe, sie in etwa zwei Wochen zum Abschluss bringen zu können, hieß es in Regierungskreisen. Zuvor war ein weiterer Anlauf zur Privatisierung von Olympic gescheitert: Ein am vergangenen Freitag abgelaufenes Bieterverfahren stieß auf weitaus geringere Resonanz als von der Regierung erwartet. Die eingegangenen Angebote seien „nicht zufriedenstellend“, räumte Entwicklungsminister Kostas Chatzidakis vergangene Woche ein.

Während ein unabhängiger Gutachter den Wert der Fluggesellschaft, der Bodendienste und Wartungstechnik auf 107,2 Mio. Euro taxiert hatte, lagen die höchsten Gebote für die drei Teile des Unternehmens, die getrennt verkauft werden sollten, nur bei insgesamt 72,5 Mio. Die von der Regierung erhofften Angebote großer arabischer Fluggesellschaften wie Qatar Airways oder Etihad blieben aus. Die 1957 vom legendären „Tankerkönig“ Aristoteles Onassis gegründete Olympic ging 1975 in Staatsbesitz über und hat seit 1977 nur noch Verluste eingeflogen. Nach Schätzungen aus Branchenkreisen macht das Unternehmen aktuell mehr als eine Mio. Euro Miese pro Tag.

Außerdem ist Olympic mit Milliardenforderungen der EU konfrontiert: Das Unternehmen soll wettbewerbswidrige Staatsbeihilfen von rund 1,55 Mrd. Euro zurückzahlen. Damit ist die Fluggesellschaft praktisch pleite. In der Vergangenheit waren bereits fünf Sanierungs- und Verkaufsversuche gescheitert.

Der mit der EU-Kommission abgestimmte aktuelle Privatisierungsplan sieht vor, die Airline zu liquidieren und anschließend schuldenfrei an einen neuen Start gehen zu lassen.

Nach der gescheiterten Ausschreibung kündigte Minister Chatzidakis an, man wolle nun in direkten Verhandlungen versuchen, doch noch einen Käufer für Olympic zu finden. MIG ist nach eigenen Angaben mit Beteiligungen in mehr als 40 Ländern und 52 000 Beschäftigten der größte Finanzinvestor Südosteuropas. Mit 18 Prozent ist Dubai Financial größter Aktionär der Holding. 58 Prozent des in Athen börsennotierten Unternehmens halten griechische Investoren, 24 Prozent sind in den Händen ausländischer institutioneller Anleger.

Zum Portfolio von MIG gehören unter anderem Griechenlands größter Lebensmittelkonzern Vivartia und die Fährschiffreederei Attica Group. 2007 versuchte MIG, die Mehrheit bei der staatlich kontrollierten Hellenic Telecom (OTE) zu übernehmen, stieß dabei aber auf den erbitterten Widerstand der Regierung und verkaufte ihre OTE-Anteile später an die Deutsche Telekom. Die Regierung werde das MIG-Angebot für Olympic „wie etwaige andere Offerten mit der gebotenen Sorgfalt prüfen“, versprach Entwicklungsminister Chatzidakis.

MIG bietet dem Staat an, Olympic mit Call-Optionen innerhalb von drei Monaten nach der nächsten Parlamentswahl wieder zu verstaatlichen, wenn die dann gewählte Regierung das wünscht – ein geschickter Schachzug, mit dem MIG die sozialistischen Opposition und die Gewerkschaften ins Boot holen will. Sie lehnten bisher eine Privatisierung der Airline ab. Eine Übernahme der Fluggesellschaft bedarf in jedem Fall der Zustimmung der EU-Kommission.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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