Fluggesellschaft Etihad Airways
Araber sollen an Air Berlin interessiert sein

Die arabische Fluggesellschaft Etihad Airways ist angeblich an einem Einstieg bei Air Berlin interessiert. Laut einem Medienbericht beschäftigt sich die Führungsspitze der staatlichen Airline der Vereinigten Arabischen Emirate seit Wochen mit den Plänen. Beobachter haben ihre Zweifel.

HB MÜNCHEN/BERLIN. Die "Süddeutsche Zeitung" (Freitag) beruft sich in ihrem Bericht auf Branchenkreise. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Eine Air-Berlin-Sprecherin sagte am Freitag: "Wir kommentieren Marktgerüchte nicht." Der Aktienkurs der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft reagierte indes prompt und schoss nach oben - um mehr als 15 Prozent auf rund 5 Euro.

Air Berlin könnte für Etihad als Zubringer in Deutschland Passagiere zu Langstreckenflügen befördern, heißt es in der Zeitung. Als Anteilseigner hätte das Staatsunternehmen aus Abu Dhabi außerdem eine besser Verhandlungsposition für neue Flugrechte nach Deutschland. Zudem seien Anteile von Air Berlin derzeit günstig zu haben.

Air Berlin befindet sich zu 65,7 Prozent im Streubesitz. Größter Aktionär ist derzeit der amerikanische Geschäftsmann Leonard Blawatnik mit 18,94 Prozent. Einer der Gründungsgesellschafter, Hans- Joachim Knieps, hält noch 9,59 Prozent, die US-Bank JP Morgan Chase 4,97 Prozent.

Einige Analysten halten den Deal indes für unwahrscheinlich. Eine Komplettübernahme wäre aufgrund eines dann drohenden Verlusts der Luftverkehrsrechte in Deutschland nur schwer möglich, sagen die Experten. Eine Beteiligung würde sich ihrer Ansicht nach für die Araber aus Abu Dhabi kaum lohnen, da Etihad damit keinen maßgeblichen strategischen Einfluss geltend machen könne.

Ein Auslöser der wiederkehrenden Spekulationen über eine mögliche Übernahme von Air Berlin dürfte der niedrige Aktienkurs sein. Die Aktie hat im Jahresverlauf 65 Prozent an Wert verloren. An der Börse ist das Unternehmen rund 320 Millionen Euro wert.

BHF-Bank-Analyst Nils Machemehl hält es für unwahrscheinlich, dass sich Air-Berlin-Großaktionäre wie der russischstämmige Amerikaner Len Blawatnik zu den derzeitigen Kursen von ihren Aktien trennen würden. Blawatniks Einstieg mit knapp 20 Prozent war Mitte Mai bekanntgeworden; damals war die Aktie etwa acht Euro wert. Bei einem Verkauf müsste er mithin hohe Verluste hinnehmen. Denkbar ist nach Ansicht von Machemehl nur eine Kooperation, von der beide Unternehmen profitierten.

Sollte sich Etihad trotzdem bei Air Berlin engagieren, hält LBBW-Analyst Per-Ola Hellgren nur eine reine Finanzinvestition für denkbar. Es gebe keine sichtbaren Berührungspunkte zwischen Etihad und Air Berlin, die einen strategischen Zusammenschluss reizvoll machen würden. Air Berlin ist auf innereuropäische Ziele, Ferienziele in den USA, der Karibik, Nordafrika und Südostasien spezialisiert. Etihad fliegt in Deutschland die Flughäfen in Frankfurt und München an, auf denen Air Berlin nicht stark vertreten ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%