Turkish-Airlines-Flieger in Istanbul

Nach einem harten Jahr 2016 fliegt die teilstaatliche Airline wieder Millionen-Gewinne ein.

(Foto: Reuters)

Fluggesellschaft mit Millionengewinn Turkish Airlines hängt Emirates ab

Nach einem harten Jahr verzeichnet Turkish Airlines 2017 wieder ordentliche Zuwächse. Die Golf-Airlines können nicht mehr mithalten. Das liegt am starken Heimatmarkt – und sehr speziellen Gewerkschaften.
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IstanbulDieser Gewerkschaft begegnet Carsten Spohr nur in seinen kühnsten Träumen. Während der Lufthansa-Chef bei Gehaltsverhandlungen regelmäßig Flugausfälle fürchten muss, machte eine Arbeitnehmervertretung bei dem Konkurrenten Turkish Airlines ihrem Arbeitgeber neulich ein unschlagbares Angebot. Nachdem das Unternehmen in einer Gehaltsrunde angeboten hatte, die Löhne der Angestellten um vier Prozent zu erhöhen, bestanden Gewerkschaftsvertreter darauf, dass 2,5 Prozent doch genug seien. 

Die Arbeitnehmer forderten weniger, als das Unternehmen ihnen geben wollte. „Die eingesparte Summe war zwar nicht besonders hoch“, kommentierte Turkish-Airlines-Chef Bilal Eksi vor wenigen Wochen, „aber diese Motivation ist beeindruckend“. Es liegt nicht nur an den sparsamen Arbeitnehmern, dass die türkische Fluggesellschaft nun wieder starke Zahlen vorlegt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 beförderte Turkish Airlines 68,6 Millionen Passagiere, 9,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auch die Auslastung der Flugzeuge erreichte zuletzt Rekordwerte. Im dritten Quartal 2017 fuhr das Unternehmen das zweitbeste Ergebnis der vergangenen zehn Jahre ein. Der Überschuss zwischen Juli und Oktober lag bei umgerechnet 693 Millionen US-Dollar. Zahlen für das Schlussquartal wurden noch nicht veröffentlicht.

Einer der größten Konkurrenten von Turkish Airlines, Lufthansa, erreichte im selben Zeitraum gemeinsam mit den Tochtergesellschaften ein Konzernergebnis von knapp 1,2 Milliarden Euro, umgerechnet gut 1,4 Milliarden US-Dollar. Für 2018 peilt der Präsident der türkischen Airline Ilker Ayci weiteres Wachstum an. „Wir wollen im Jahr 2018 74 Millionen Passagiere befördern“, erklärte Ayci im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Experten zweifelten lange, dass Turkish Airlines auf absehbare Zeit überhaupt wieder Gewinn macht. Im Jahr 2016 sorgten ein Terroranschlag mit 42 Toten am Heimatflughafen in Istanbul sowie der Putschversuch in der Türkei für einen Rückgang der Ticketnachfrage aus Europa und dem Rest der Welt. Von 2015 auf 2016 verringerte sich die Zahl der ausländischen Touristen in der Türkei um gut 30 Prozent auf 25,4 Millionen. Anstatt zu expandieren musste das Management Flugzeuge verleihen und einzelne Routen schließen. Das starke Wachstum brach ein, Turkish Airlines schrieb rote Zahlen.

Auch die sogenannten Säuberungswellen im türkischen Staatsapparat trafen die teilstaatliche türkische Airline. Dutzende Piloten mussten das Unternehmen verlassen, weil ihnen unterstellt wurde, der Gülen-Bewegung anzugehören. Die Gruppierung um den türkischen Geistlichen Fethullah Gülen wird von nahezu der gesamten türkischen Bevölkerung für den Putschversuch verantwortlich gemacht. Einzelne Piloten hatten sich anschließend wieder ins Unternehmen eingeklagt.

Jetzt profitiert das Unternehmen von der teilweisen geopolitischen Entspannung. Der Islamische Staat scheint zumindest militärisch besiegt. Im Jahr 2017 hat es in der Türkei keinen einzigen größeren Terroranschlag gegeben. Das weckt die Reiselust, unter anderem aus Deutschland. Mit einem Buchungsplus von 70 Prozent zählt die Türkei zum Saisonauftakt nach zwei rückläufigen Jahren wieder zu den Favoriten deutscher Urlauber.

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