Fluggesellschaft prüft Zusammenlegung der Firmensitze
Swiss steht vor neuer Sparrunde

Bei der Schweizer Fluggesellschaft Swiss mehren sich die Anzeichen für eine weitere, einschneidende Sparrunde.

ZÜRICH. Der seit einem Monat amtierende Chef des Unternehmens, Christoph Franz, bereitet die Mitarbeiter jedenfalls darauf vor: Vor Vertretern des Bodenpersonals kündigte Franz nach Auskunft von Philipp Hadorn, Präsident der zuständigen Gewerkschaft, an, alles Bereiche des Konzerns zu überprüfen und keine Tabus zu akzeptieren.

Im Gespräch ist angeblich ein weiterer Stellenabbau um 1 000 Mitarbeiter, eine Trennung des Europa- vom Langstreckengeschäft sowie eine Konzentration des Swiss-Unternehmenssitzes auf Zürich.

Die Fluggesellschaft steht finanziell unter Druck, obwohl sie im ersten halben Jahr ihre Auslastung durchschnittlich zu 73,4 Prozent erreicht hat – dies sind 4,7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Dennoch musste die Swiss bereits im Juni einräumen, dass sie ihr Ziel, ein ausgeglichenes, operatives Jahresergebnis zu erreichen, verfehlen könnte.

Höhere Treibstoffkosten als gedacht, aber auch die Konkurrenz der Billigflieger, die die Swiss zwingen, zahlreiche Tickets billig zu verkaufen, dürften das Ergebnis belastet haben. Genaue Zahlen gibt es bislang nicht. „Bei den Erträgen muss man schauen, ob es sich jetzt rechnet“, sagt Swiss-Sprecherin Priska Spörri und verweist auf die Präsentation des Halbjahresergebnisses in zwei Wochen.

Die Frist bietet genug Zeit für Spekulationen, die durch eine am Wochenende bekannt gewordene interne E-Mail des Marketingchefs Daniel Weder genährt werden. Er schildert darin die gefährliche finanzielle Situation und fordert die Mitarbeiter auf, nach weiteren Sparmöglichkeiten zu suchen. Konkrete Vorschläge macht Weder nicht. Zumindest eine Konzentration des Firmensitzes auf Zürich weist Firmensprecherin Spörri nicht ganz von der Hand. Franz wolle sein Führungspersonal um sich haben, sagt sie. Das bedeutet, dass einige Manager aus dem großen, erst vor zwei Jahren fertig gestellten Gebäudekomplex am Flughafen Basel ausziehen und in die Führungsetage des Swiss-Standorts in Zürich einziehen müssen.

Gewerkschaften, Anlegern und der Politik sind diese Aussagen jedoch nicht konkret genug. Hadorn bemängelt, dass Franz nicht vermittelt habe, wie er die Swiss wieder auf Steigflug bringen wolle. Er vermisst außerdem, die Einladung an die Gewerkschaft, sich am Meinungsbildungsprozess zu beteiligen.

Hans-Jacob Heitz, der die Schutzvereinigung Schweizer Anleger vertritt, sieht Aktionäre in die Irre geführt, weil Zahlen beschönigt werden. „Es stellt sich die Frage, in wie weit der Straftatbestand der unwahren Aussage im kaufmännischen Gewerbe erfüllt ist“, sagt der Anwalt und Aktionärsschützer. Die Politik ist alarmiert: Finanzminister Hans- Rudolf Merz bestätigte Verhandlungen mit den Swiss-Großaktionären mit dem Ziel, die Sperrfrist für den Verkauf der Aktien um ein Jahr zu verlängern. Offenbar fürchtet der Bund als Großanleger, dass die Aktien sonst ins Bodenlose stürzt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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