Fluggesellschaft wird privatisiert
Olympic Airlines vor der letzten Landung

Die Tage von Griechenlands staatlicher Fluggesellschaft Olympic Airlines sind gezählt. Die EU-Kommission hat Pläne der Athener Regierung für eine Privatisierung der chronisch defizitären Fluggesellschaft gebilligt. Mit der Umstrukturierung werden Forderungen der Kommission nach Rückzahlung illegaler staatlicher Beihilfen in dreistelliger Millionenhöhe praktisch gegenstandslos.

ATHEN. Die staatliche griechische Fluggesellschaft Olympic Airlines steht vor dem Aus. Sie muss wettbewerbswidrige staatliche Beihilfen aus den Jahren 2005 bis 2007 in Höhe von 850 Mill. Euro zurückzahlen. Das hat die EU-Kommission gestern entschieden. Zuvor hatte bereits der Europäische Gerichtshof geurteilt, dass die Gesellschaft illegal gewährte Subventionen von rund 700 Mill. Euro aus den Jahren 1998-2004 zurückzahle muss. Damit ist das chronisch defizitär operierende und hoch verschuldete Unternehmen finanziell am Ende.

Vor diesem Hintergrund hat die Brüsseler Kommission ein Umstrukturierungskonzept der Athener Regierung für Olympic gebilligt. Es sieht vor, die Gesellschaft bis Anfang 2009 zu liquidieren. Noch in diesem Herbst sollen die Vermögenswerte und der Flugbetrieb sukzessive auf eine neue, bereits gegründete staatliche Gesellschaft, Pantheon Airways, übertragen werden. Für dieses Unternehmen, das hinsichtlich Flotte und Verkehrsleistungen ein Drittel kleiner sein soll als Olympic, will die Regierung private Investoren finden.

Bodendienste und technische Wartung sollen jeweils separat privatisiert werden. Pantheon soll nach Liquidierung der Olympic deren Namen und Logo übernehmen. Die rund 8 000 Olympic-Beschäftigten werden im Zug der Liquidierung entlassen. 2 500 Mitarbeiter erfüllen die Voraussetzungen für einen Vorruhestand. Den übrigen will die Regierung Sozialpläne oder Versetzung in andere Staatsunternehmen anbieten.

Wie viele Olympic-Mitarbeiter die neue Pantheon Airways übernehmen wird und zu welchen Konditionen, ist noch unklar. EU-Verkehrskommissar Antonio Tajani sagte in Brüssel, die Kommission habe grünes Licht für das Umstrukturierungskonzept gegeben. „Wir werden einen Bruch mit der Vergangenheit machen“, betonte Tajani.

Das Thema Olympic beschäftigt die Brüsseler Kommission seit vielen Jahren. Die vom griechischen Tankerkönig Aristoteles Onassis Mitte der 50er Jahre gegründete Olympic Airways war 1975 während der ersten großen Ölpreiskrise in Staatsbesitz übergegangen und hat hernach nur Verluste eingeflogen. Ende 2003 ging die Gesellschaft unter dem Namen Olympic Airlines schuldenfrei an einen neuen Start. Seither sind bereits wieder Verbindlichkeiten in Höhe von mindestens 500 Mill. Euro aufgelaufen.

Branchenkenner schätzen, dass Olympic jeden Tag rund 800 000 Euro Miese einfliegt. Mit der Liquidierung würden die Forderungen der EU-Kommission nach Rückzahlung der illegalen staatlichen Beihilfen praktisch gegenstandslos. Die Nachfolgegesellschaft Pantheon stünde vor einem schuldenfreien Start. Ob es der Athener Regierung gelingt, private Investoren für die Gesellschaft zu finden, gilt angesichts des starken Konsolidierungsdrucks in der Luftverkehrsbranche aber als fraglich. Viel wird vom Geschäftsmodell der neuen Airline abhängen. Sie soll sich auf den Inlands- und Regionalverkehr konzentrieren. Dabei wird sie allerdings in einem harten Wettbewerb mit der privaten und profitablen Aegean Airlines stehen, an die Olympic in den vergangenen Jahren stetig Marktanteile verloren hat.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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