Fluggesellschaften
Air Berlin stutzt sich bis zur Wurzel

Jahrelang kannte Joachim Hunold, der Chef von Air Berlin, nur eine Strategie: zukaufen. Die drohenden schwierigen Zeiten würden durch schiere Größe am ehesten zu überstehen sein, so die Strategie. Doch der mögliche Verkauf der LTU-Langstrecke zeigt, dass es ein Umdenken beim Thema Expansion gibt. Nun könnte auch der Kauf von Tuifly scheitern.

FRANKFURT. Das Management der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, Air Berlin, legt seinen Expansionskurs endgültig ad acta. Das zeigt die Ankündigung, einen Verkauf des Langstreckengeschäfts der Tochter LTU zu prüfen. Damit würde nach der Abwicklung der Tochter DBA im vergangenen Herbst kaum noch etwas von den früheren Zukäufen übrigbleiben. Auch den laufenden Gesprächen mit Tui über Tuifly geben Beobachter nur noch geringe Chancen.

Eigentlich wollten Tui und Air Berlin bis Ende März endgültig über eine Übernahme durch Air Berlin entscheiden. Nachdem zuletzt die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) dem Management von Tui entgegengekommen war, rechnen Beobachter allerdings mit einem Verbleib von Tuifly bei Tui.

Air Berlin hatte am Wochenende bestätigt, dass ein Verkauf des Langstreckengeschäfts von LTU möglich sei. "Es gibt einen Auftrag des Verwaltungsrats, alle Optionen zu prüfen", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Zwar ist der Vorgang nach seinen Angaben Bestandteil des Restrukturierungsprogramms "Jump". Doch sehen Analysten damit die gesamte Expansion von Air Berlin auf dem Prüfstand. "Air Berlin hat sich in der Vergangenheit alles zugetraut, am Ende war die Akquisitionsstrategie aber unausgereift", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Air Berlin hatte zunächst die auf inländische Flüge konzentrierte DBA gekauft. 2007 folgte LTU mit dem Ziel, die Langstrecke auszubauen. Gespräche über eine Akquisition des Ferienfliegers Condor scheiterten. Die Einkaufstour hatte die Verschuldung derart in die Höhe getrieben, dass Air Berlin noch vor zwölf Monaten als Pleitekandidat galt. Mittlerweile hat DBA ihren Geschäftsbetrieb eingestellt. Nun soll auch die Langstrecke dran glauben.

Zwar ist aus dem Umfeld von Air Berlin zu hören, dass die Fluggesellschaft auch nach einem Verkauf der LTU-Aktivitäten grundsätzlich unter der Flagge des Mutterunternehmens Langstrecke anbieten könnte. So hat Air Berlin 25 Boeing 787 bestellt, die ausschließlich für große Distanzen ausgelegt sind.

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