Fluggesellschaften
Blue Wings kämpft um eine Zukunft

Unklare Eigentümerverhältnisse halten die Bocholter Fluggesellschaft Blue Wings am Boden. Jetzt will Aeroflot einsteigen. Der russische Großunternehmer und Milliardär Alexander Lebedew wirft der Lufthansa und dem Luftfahrbundesamt vor, die Airline aus dem Markt gedrängt zu haben.

DÜSSELDORF/MOSKAU. Die Zukunft der fünftgrößten deutschen Fluggesellschaft Blue Wings steht auf der Kippe. Derzeit prüft die staatlich kontrollierte russische Fluglinie Aeroflot ein Angebot von Blue-Wings-Großaktionär Alexander Lebedew, dessen Aktienpaket von 48 Prozent für einen Euro zu übernehmen. Der russische Großunternehmer und Milliardär Lebedew ist auch der zweitgrößte Anteilseigner von Aeroflot.

In der vergangenen Woche hatte Lebedew bekanntgegeben, sein Paket abzugeben, weil er sich angeblich nicht mehr in der Lage sieht, die Bocholter Fluggesellschaft weiterzuführen. Das Luftfahrtbundesamt (LBA) hatte Anfang April Blue Wings die Betriebsgenehmigung entzogen, weil die Fluglinie einen nach EU-Recht nötigen Wirtschaftlichkeitsnachweis nicht erbringen konnte. Fluggesellschaften innerhalb der EU müssen garantieren, dass sie aus ihrem Umsatz heraus eine Rücklage bilden können, um im Falle eines Konkurses für drei Monate die Löhne und Gehälter weiter zahlen zu können.

Blue Wings beschäftigt 400 Mitarbeiter und verfügt über zehn Flugzeuge des Typs Airbus A320. 2008 beförderte das Unternehmen nach eigenen Angaben 1,1 Millionen Passagiere, überwiegend nach Ost- und Südost-Europa und in den Nahen Osten. Der Umsatz betrug 154 Millionen Euro. Zuletzt hat Blue Wings nach eigenen Angaben für zwei ihrer Airbusse einen Chartervertrag mit Elite Aviation, einer Fluggesellschaft für Luxusjets in Abu Dhabi, geschlossen. Laut LBA hält das Prüfungsverfahren an. Welche Nachweise noch fehlen, will das LBA aus rechtlichen Gründen nicht sagen.

Lebedew ist über das Vorgehen des LBA nach wie vor erbost. Nach seinen Angaben hat Blue Wings durch den Lizenzentzug mittlerweile rund 33 Mio. Dollar verloren. Er sieht sich als Opfer der Konkurrenz: "Ich glaube, die Schritte der deutschen Aufsichtsbehörden sind von Lufthansa initiiert worden, um einen vielversprechenden Wettbewerber aus dem Markt zu drängen", sagt Lebedew, der bereits angekündigt hat, ein Insolvenzverfahren einzuleiten. "Wir würden jeder Fluggesellschaft, die entsprechende Nachweise für ihre Wirtschaftlichkeit nicht vorlegen kann, die Genehmigung entziehen", kontert eine Sprecherin des LBA Lebedews Vorwurf.

Lebedew bestreitet die Vorwürfe. Bei der Aufsichtsratsitzung am 6. April sei eine Kapitalerhöhung von 35 Millionen Euro beschlossen worden. Zudem hätten sich die Aktionäre bereit erklärt, kurzfristig fünf Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Bis heute liegt jedoch beim Handelsregister in Coesfeld keine Anmeldung über eine Kapitalerhöhung vor. Unklar bleibt auch, warum eine solche Zahlung erst beschlossen wurde, nachdem die Genehmigung entzogen wurde. Das LBA hatte schon mehrere Wochen vor Ablauf der Frist Ende März Blue Wings auf einen möglichen Verlust der Lizenz hingewiesen. Der Blue-Wings-Vorstandschef Jörn Hellwig war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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