Fluggesellschaften
British Airways gibt Regionalflieger auf

Die britische Fluggesellschaft British Airways (BA) gibt nach nur sieben Monaten den Versuch auf, das defizitäre Regionalfluggeschäft zu retten. Das Unternehmen teilte am gestrigen Sonntag mit, dass es seine Ende März als BA Connect neu gestartete Tochter an den Billigflieger Flybe abgeben wird.

LONDON. Zugleich gab die drittgrößte europäische Fluggesellschaft bekannt, dass die verschärften Sicherheitsbestimmungen an den britischen Flughäfen sie rund 100 Mill. Pfund (150 Mill. Euro) gekostet haben. Der Gewinn ist deshalb im zweiten Quartal gesunken.

„Direktverbindungen zwischen regionalen Flughäfen sind kein strategischer Teil unseres Geschäfts und wir glauben, dass sie bei einer regionalen Low-Cost-Airline besser aufgehoben sind“, sagte BA-Chef Willie Walsh. Die Sparte hat im vergangenen Geschäftsjahr unter dem Namen Citi-Express mit 50 Maschinen 3,5 Millionen Passagiere von 14 britischen Flughäfen zu 32 Zielen im Ausland transportiert. Mit einem weitgehend an die erfolgreichen Billigflieger angepassten Geschäftsmodell sollte sie versuchen, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Doch nun bricht Walsh den Versuch ab. „Trotz der großen Anstrengungen des ganzen Teams bei BA Connect sehen wir in dieser Form keine Aussicht auf Gewinne“, bescheidet er nun bündig. Die BA-Connect-Verbindungen vom London City Airport und die Transatlantikflüge von Manchester nach New York sind vom Verkauf ausgeschlossen.

BA hat im Zusammenhang mit dem Verkauf eine Wertberichtigung von 106 Mill. Pfund vorgenommen. Die Fluggesellschaft beteiligte sich außerdem mit 15 Prozent an Flybe. Diesen Anteil will sie im Zuge des geplanten Börsengangs des Billigfliegers schnell wieder loswerden, doch Flybe verschob am Sonntag den für 2007 geplanten Schritt um ein bis zwei Jahre. Flybe wird durch die Übernahme doppelt so groß und will weiter zulegen, um mit den Konkurrenten Ryanair und Easyjet mithalten zu können. Das Unternehmen wurde von Jack Walker, dem Stahlunternehmer und Finanzier des Fußballclubs Blackburn Rovers, gegründet und befindet sich zu mehr als 80 Prozent im Besitz seiner Erben.

Walsh schließt mit dem Verkauf eine Baustelle. Weitere Konflikte drohen ihm in den Verhandlungen über eine Reduzierung des Pensionsdefizits von 2,1 Mrd. Pfund. Das Bordpersonal von BA droht wegen der Pläne, das Pensionsalter von 55 auf 65 Jahre heraufzusetzen, mit Streik. Doch Walsh stellt klar, dass von dem Abbau des Defizits die Modernisierung der Flotte abhängt. Am Freitag äußerte er sich zuversichtlich, das Problem noch im Laufe des Monats zu lösen.

Entspannen dürften sich auch bald die Probleme mit den Sicherheitskontrollen am Drehkreuz Heathrow. Die britische Regierung hat die nach der Aufdeckung einer Terror-Verschwörung erlassenen Bestimmungen für Handgepäck auf das in der EU vereinbarte Niveau abgesenkt. Die durch die verschärften Sicherheitskontrollen verursachten Verzögerungen und Flugausfälle haben BA bisher 100 Mill. Pfund gekostet. Das und die Wertberichtigung halbierten im Quartal zu Ende September den Betriebsgewinn im Jahresvergleich auf 134 Mill. Pfund. Der Umsatz stieg um fünf Prozent auf 2,3 Mrd. Pfund.

Der Reingewinn blieb mit 165 Mill. Pfund fast stabil, lag aber deutlich unter den Analystenerwartungen. Während sich einige Analysten enttäuscht äußerten, verwiesen andere darauf, dass BA weiterhin im Branchenmaßstab sehr gut abschneidet. Die Aktie rutschte rund zwei Prozent ab.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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