Fluggesellschaften
British Airways will sich frisches Geld holen

Einen „Kampf ums Überleben“ hatte Willie Walsh vor ein paar Wochen angekündigt. Jetzt zeichnet sich ab, wie der Chef von British Airways seine marode Fluglinie vor dem Absturz bewahren will. Geld muss her, und zwar schnell. Dazu erwägt die Airline, Wandelanleihen ausgeben.

rüd/LONDON. Man spreche bereits mit den institutionellen Anlegern, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Broughton auf der Hauptversammlung am Dienstag. Eine Kapitalerhöhung schloss Broughton allerdings aus. Dafür sei im Moment nicht die richtige Zeit.

Die vor allem durch die Rezession bedingte historische Krise der Luftfahrtbranche schüttelt Europas drittgrößte Fluggesellschaft bedrohlich durch. Nach einem Rekordverlust von 401 Mio. Pfund im vergangenen Jahr fehlt es bei British Airways an allen Ecken und Enden. Allein der Pensionsplan benötige deutlich mehr als die im Herbst vergangenen Jahres vorhergesagten rund zwei Mrd. Euro, sagte der Aufsichtsratschef. Die Fluglinie hat Verpflichtungen gegenüber 100 000 Pensionären.

Die größten Schäden erleidet British Airways im Segment der Business- und First-Class-Flüge. Nach Analystenschätzungen macht die Fluglinie zwei Drittel seines Gewinns mit Geschäftsleuten, die auf Firmenkosten Plätze in der First- und Businessclass buchen. „Der Markt für Premium-Reisen wird sich möglicherweise nie vollständig erholen“, sagte Broughton auf der Hauptversammlung.

„Die Budgets für Geschäftsreisen sind stark zusammengestrichen worden, und die Verbraucher müssen ihre Schulden reduzieren.“ Deshalb müssten sich die Fluggesellschaften verstärkt zusammenschließen. British Airways setzt dabei weiter auf die Fusion mit der spanischen Airline Iberia.

Gleichzeitig versucht British Airways, die Kosten drastisch zu senken. Im laufenden Jahr will Firmenchef Walsh ein Fünftel weniger ausgegeben und die Kapazitäten kappen. Dazu gehören empfindliche Einbußen für die rund 40 000 Mitarbeiter.

So will Walsh bis zu 4 000 Arbeitsplätze abbauen, also etwa zehn Prozent der Belegschaft. Schon im Vorjahr waren 2 500 Stellen weggefallen. Auch Gehälter sollen eingefroren werden, die 3.200 Piloten nahmen Gehaltskürzungen hin. Rund 800 kamen Walsh entgegen und arbeiteten einen Monat gratis. Der Chef selbst verzichtete für einen Monat ebenfalls auf sein Gehalt - angesichts einer Jahresgage von 743 000 Pfund und einer Aussicht auf einen Millionen-Bonus erntete Walsh dafür allerdings viel Häme.

Konzernspitze und Gewerkschaften sind derweil auf Kollisionskurs. Das Management will Strukturen ändern, die Arbeitnehmervertreter sind nur zu vorübergehenden Zugeständnissen bereit. Für Walsh nicht genug: „Das Überleben hängt von dauerhaften - und schnellen - Einsparungen ab.“ Die Gewerkschaften werfen Walsh vor, nur deshalb eine Untergangs-Rhetorik zu wählen, um Zugeständnisse zu erzwingen.

Manche Mitarbeiter glauben überdies, dass Walsh die Rezession nur als Vorwand nimmt, Vergütungen auf lange Sicht zu beschneiden. Und im Stillen hoffen viele sicher auch, dass im schlimmsten Fall die Regierung zur Hilfe kommt. Ein Schlichter soll nun helfen, einen drohenden Streik im Sommer abzuwenden.

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