Fluggesellschaften
Easyjet will trotz Verlusten expandieren

Hohe Kerosinpreise haben Easyjet in tiefrote Zahlen fliegen lassen. Europas zweitgrößten Billigflieger hofft nun eher auf bessere Wechselkurse als darauf, dass die Menschen angesichts der Wirtschaftskrise wieder mehr fliegen.

LONDON. Die britische Fluggesellschaft Easyjet hält trotz eines verdreifachten Verlusts in der ersten Hälfte ihres Geschäftsjahres und der Kritik des Gründers Stelios Haji-Ioannou an ihren Expansionsplänen fest. Am Ausbau der Flotte von derzeit 173 auf 194 Flugzeuge bis September 2011 werde nicht gerüttelt, sagte Vorstandschef Andy Harrison gestern. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet er weiterhin mit einem Gewinn. Die sinkenden Treibstoffkosten und die günstigen Wechselkurse würden dazu beitragen. Die Aktie des Billigfliegers gab gestern trotzdem nach.

Im Verwaltungsrat von Easyjet streitet sich Gründer und Großaktionär Haji-Ioannou seit Monaten mit dem Vorstand über die richtige Strategie. Der Unternehmer fordert angesichts der Rezession einen langsameren Ausbau der Flotte. Chairman Colin Chandler ist bereits zurückgetreten und wird voraussichtlich von BT-Chairman Michael Rake ersetzt. Anfang Mai nahm auch Finanzchef Jeff Carr seinen Hut, was Analysten als Zeichen für anhaltende Dissonanzen werteten.

„Das Unternehmen plant derzeit, zu viele Flugzeuge zu kaufen, und die Passagierzahlen halten nicht mit der Zahl der Flugzeuge Schritt“, meldete sich Haji-Ioannou auch gestern zu Wort. Darum trete er weiterhin dafür ein, Lieferungen neuer Jets hinauszuzögern. Doch Harrison stellte klar, dass der Vorstand im abgelaufenen Quartal keine Lieferungen verschoben habe.

Der Umsatz stieg in den sechs Monaten zum 31. März um 16 Prozent auf 1,03 Mrd. Pfund (1,16 Mrd. Euro). Der Verlust vor Steuern kletterte von 48 auf 130 Mio. Pfund. Das sei vor allem durch die höheren Treibstoffkosten in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres bedingt gewesen, sagte Harrison. Auch die Tatsache, dass Ostern diesmal in die zweite Hälfte falle, habe das Ergebnis belastet.

Die Passagierzahl stieg um drei Prozent auf 19,4 Millionen und die durchschnittliche Auslastung verbesserte sich von 81,2 auf 82,9 Prozent. Harrison sagte, der Pendlerverkehr und Flüge zu Zweitwohnsitzen hätten sich schwächer entwickelt. Das sei aber durch eine steigende Zahl von Geschäftsreisenden und Umsteiger von Fernreisen auf innereuropäische Ferien mehr als ausgeglichen worden.

Im April steigerte Easyjet die Passagierzahl im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 3,8 Millionen. Damit übertraf der Billigflieger deutlich British Airways. Das Unternehmen steigerte sich nur um ein Prozent auf 2,8 Millionen Passagiere. Nicht zu schlagen war aber erneut der Marktführer der Billigflieger, Ryanair. Die Iren steigerten die Passagierzahl im April um zwölf Prozent auf 5,3 Millionen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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