Fluggesellschaften
Flüge werden teurer

Der Kostendruck in der Luft kommt auch bei den Verbrauchern an. Die Lufthansa erhöht zum Beispiel ihre Preise für europäische Flüge. Andere Airlines reagieren mit versteckten Zuschlägen auf höhere Kosten und Steuern.
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Berlin„Jetzt neu: Günstige innerdeutsche Oneway-Flüge ab 59 Euro“, hieß es bis Montag auf der Lufthansa-Website. Das Lockmittel „jetzt neu“ ist mittlerweile verschwunden, denn von neu konnte längst keine Rede mehr sein: Der Tarif, sagte ein Sprecher von Deutschlands größter Fluggesellschaft auf Nachfrage des Handelsblatts, sei bereits im Frühjahr 2011 eingeführt worden.

Der Preis immerhin ist noch gültig. Dagegen ist es teurer geworden, mit Lufthansa innerhalb Europas zu fliegen. Nahezu unbemerkt hat die Airline die Preise für eine Reihe von Strecken heraufgesetzt. Das Konzept sei in den vergangenen Wochen geändert worden, bestätigt der Lufthansa-Sprecher. „Wir haben weitere Preisstufen eingeführt.“ Aufgrund höherer Kosten könne die Airline den bislang üblichen 99-Euro-Tarif für Hin- und Rückflug nicht mehr wie bisher auf den meisten Europa-Direktverbindungen anbieten. Er gilt nur noch auf innerdeutschen Direktflügen sowie zeitlich befristet auf ausgewählten Strecken innerhalb Europas.

Die Fluggesellschaften reagieren auf den Kostendruck in der Branche. „Auf den meisten europäischen Kurzstrecken beziehungsweise im wettbewerbsintensiven Kontinentalverkehr fliegen viele Airlines seit Jahren in der Verlustzone“, sagt Martina Noß, Analystin bei der Norddeutschen Landesbank. Zudem wirken sich aktuell hohe Treibstoffkosten und Abgaben wie die Luftverkehrsteuer belastend auf die Profitabilität der Airlines aus. „Deswegen ist es nachvollziehbar, dass die Fluggesellschaften versuchen, die Ticketpreise zu erhöhen.“

Dazu kommt, dass alle Angebote stets nur ein begrenztes Platzkontingent umfassen. Ist das erschöpft, zahlen die Passagiere ohnehin mehr Geld für ihre Flüge. Zu den Hauptreisezeiten, etwa in den Sommermonaten, ist das ein übliches Geschäft. Das sogenannte Yield-Management zur Steuerung der Nachfrage mit Hilfe von Preisen gehört zu den schwierigsten, aber auch wichtigsten Aufgaben einer Airline, sagen Analysten. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin, die unter einem enormen Kostendruck steht, hat zuletzt 30 Millionen Euro in die Verbesserung der Tarifstruktur gesteckt, um ihre Einnahmen aus dem Ticketverkauf zu erhöhen.

Es habe keine Preiserhöhung, auch keine heimliche, gegeben, sagt eine Air-Berlin-Sprecherin. Kein Geheimnis ist aber, dass der im Mai eingeführte Billigtarif „Just Fly“ ab 78 Euro hin und zurück nicht auf allen Strecken und nicht zu jeder Zeit erhältlich ist. Buchungszahlen gibt Air Berlin allerdings bislang nicht preis. Im Sommer seien die Flieger voll, „und wenn die Auslastung hoch ist, dann wird der Tarif nicht angeboten“, so die Sprecherin. Das betrifft auch die günstigen Preise im Standardtarif „Fly Classic“ für 49 Euro pro Strecke. „Es gibt keine Garantie, dass es diesen Preis immer gibt und auf allen Strecken.“

Hans-Ingo Biehl, Hauptgeschäftsführer des deutschen Geschäftsreiseverbands VDR, kritisiert zudem versteckte Preiserhöhungen durch separate Berechnung von Zuschlägen. „Der Geschäftsreiseverantwortliche benötigt Preisklarheit und -wahrheit.“

Die Gefahr, dass höhere Preise zu einer niedrigeren Auslastung der Flugzeuge führen könnten, sehen Beobachter als gering an, da die Airlines ihre Kapazitäten derzeit eher verringern. Auch mögliche Preisabsprachen zwischen den Fluggesellschaften sehen Beobachter nicht. „Dazu sind die Preisstrukturen und das jeweilige Flugstreckenangebot viel zu unterschiedlich“, sagt Analystin Noß.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Ich fliege seit gut drei Jahren regelmäßig die Strecke Budapest-Frankfurt mit der Lufthansa und frage mich dabei öfters, wie es ihnen gelingt, diese Flüge - wohlgemerkt hin & rück - für teilweise 90 EUR anzubieten. Weder Bus noch Bahn können da mithalten, vom Auto ganz abgesehen; die Zeitersparnis gar nicht mit eingerechnet.
    Gerne zahle ich auch mehr, wenn es der Lufthansa nur gelingt, ihren Service zu halten.

  • Wie Mehdorn "seine" Airline an die Wand fliegt bleibt allerdings bedauerlicherweise unerwähnt.
    Mehdorn vor noch ein Tor.
    Tor?
    Mehdorn ist doch selbst ein hochbezahlter Tor.

    Der Mann hat sich zum Verfolger aller Geschäftsreisenden
    gemausert und wird inzwischen als beispielgebend für die Verarschung von Geschäftsreisenden genommen.

    Was man heutzutage unter "Manager" verstehen muß, zwangsläufig: eine üble Verleumdungskampagne von Managern unter Führung von Herrn Mehdorn.

    Und das Tolle: alle halten den Mund, könnte ja sein, dass man mit so einer Flasche auch noch Geschäfte zu tätigen wünscht.

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