Fluggesellschaften in der Krise
DBA noch lange nicht gerettet

Im gnadenlosen Verdrängungswettbewerb über den Wolken ist die DBA als zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft auch unter neuer Führung noch lange nicht gerettet. Wenn das Unternehmen nicht in absehbarer Zeit in die schwarzen Zahlen komme, werde er es schweren Herzens schließen müssen, sagte der neue DBA-Besitzer Hans Rudolf Wöhrl am Mittwoch in München.

HB/dpa MÜNCHEN. „Wenn wir keine realistische Chance sehen, wäre es kaufmännisch unsinnig, ein solches Experiment fortzuführen.“ Branchenexperten rechnen ohnehin damit, dass einige der Billig-Flieger und der kleineren Fluggesellschaften nicht überleben werden.

Alle Fluggesellschaften haben unter der schwachen Konjunktur und dem Preiskampf zu leiden. Der Irak-Krieg und die Lungenkrankheit Sars führten zu weiteren Belastungen. Vor allem die Billigflieger suchen derzeit nach tragfähigen Geschäftsmodellen. Zwar rechnet die Unternehmensberatung McKinsey bis 2007 mit einem jährlichen Wachstum von 20 % bei den Discountern. Dennoch wird die Luft für die neuen Billiganbieter dünner. Auf einigen wichtigen Inlandsstrecken arbeiteten manche traditionelle Airlines inzwischen so kosteneffizient, dass sie mit den neuen Herausforderern konkurrieren könnten, hieß es in der McKinsey-Studie.

An der DBA hat sich bereits British Airways verhoben. Dann wollte zunächst der britische EasyJet-Konzern die DBA übernehmen und einen echten Billigflieger aus der Fluggesellschaft machen. EasyJet kam aber zu dem Schluss, dass das Geschäftsmodell nicht so einfach übertragbar ist und ließ das Geschäft platzen. Die Lufthansa nutze ihre Marktmacht auf nicht zulässige Weise, um Newcomer aus dem Markt zu drängen, schimpfte EasyJet-Chef Ray Webster. Auch das unflexible deutsche Tarifrecht und der relativ kleine Markt verdarben den Briten die Lust auf die Übernahme.

Auch Wöhrl kam zu dem Schluss, dass der versuchte Wandel in einen so genannten „Low-cost-carrier“ nicht erfolgreich war. „Wir sind low price und high cost“, sagte Wöhrl am Mittwoch in München. Er will die Kosten drastisch senken und dabei bei den Brief-Kuverts ebenso sparen wie an den Gehältern für die Mitarbeiter, die für ein Jahr auf 20 % verzichten müssen. Mit einem einfachen Tarifsystem und neuen Zielen sowie Angeboten für Geschäftskunden will er eine profitable Nische finden und die Flotte mittelfristig von 16 auf 25 Flugzeuge ausbauen.

Auf einen Preiskampf setzt Wöhrl dabei nicht. „Wir werden nicht Geld verbrennen.“ Letztendlich hätten alle Airlines mit den selben Fixkosten zu kämpfen. „Der sichere Flug hat seinen Preis.“ So kostet das kostenlos umbuchbare Business-Ticket bei der DBA künftig einfach 175 €. Das ist nach Wöhrls Einschätzung zwar deutlich günstiger als bei der Konkurrenz, ein echter Kampfpreis aber auch nicht.

Seit der Gründung vor mehr als zehn Jahren hat die DBA nur Verluste gemacht. Ob Wöhrl wie geplant schon in einem Jahr in die Gewinnzone fliegt und die Gesellschaft so rettet, gilt in der Branche als offen. Von manchen Spöttern wird er offenbar noch nicht ganz ernst genommen. DBA bedeute jetzt für einige „Die Bratwurst-Airline“, sagte Wöhrl.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%