Fluggesellschaften
„Letzter Aufruf in Athen“

Die Griechenlandkrise erreicht den Luftverkehr: Immer mehr Airlines machen einen Bogen um Athen – weil die Passagiere ausbleiben, aber auch wegen der hohen Gebühren des von Hochtief betriebenen Flughafens.
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Die Griechen gelten als weltoffen und reiselustig. Im nächsten Winter allerdings werden nur wenige die Koffer packen. Die Krise hat  die Kaufkraft der griechischen Durchschnittsfamilie auf das Niveau von 1979 gedrückt, so eine Berechnung des Gewerkschaftsbundes GSEE. Aber selbst wer noch Geld für eine Reise hat, dürfte sich schwer tun. Denn immer mehr Airlines dünnen die Verbindungen nach Athen aus oder streichen die griechische Hauptstadt ganz aus ihrem Flugplan.

Zum ersten Mal seit 45 Jahren wird Griechenland in diesem Winter keine Nonstop-Verbindung mehr in die USA haben. Die staatliche Olympic Airlines stellte ihre Flüge nach New York bereits vor über drei Jahren ein, inzwischen ist die Gesellschaft liquidiert. Ende Oktober wirft nun auch Delta Airlines, die als letzte Gesellschaft von Nordamerika nach Griechenland flog, das Handtuch.

Nicht nur die Amerikaner ziehen sich aus Griechenland zurück. Thai Airways stellte jetzt nach 36 Jahren die Flüge nach Athen ein. Auch Singapore Airlines hat die griechische Hauptstadt aus dem Flugplan gestrichen, ebenso wie Gulf Air. Die portugiesische TAP stellt ihre Flüge zwischen Lissabon und Athen im Winter ein. Kein gutes Omen: Auch Brussels Airlines beendet die Verbindung zwischen Athen und der EU-Metropole.

Andere Fluggesellschaften dünnen ihren Flugplan aus: Air France reduziert die Flüge zwischen Paris und Athen von vier auf zwei. Die Lufthansa streicht einen ihrer drei täglichen Flüge nach Frankfurt und reduziert die wöchentlichen Verbindungen zwischen München und Athen von 19 auf 14. Auch die Lufthansa-Töchter Austrian Airlines und Swiss streichen ihren Griechenland-Flugplan in diesem Winter kräftig zusammen.

Die Fluggesellschaften reagieren damit auf die drastisch eingebrochenen Passagierzahlen. In den ersten sieben Monaten 2012 ging die Zahl der Fluggäste in Athen gegenüber dem Vorjahr um fast zwölf Prozent von 8,4 auf 7,4 Millionen zurück. Im Auslandsverkehr betrug der Rückgang sogar nahezu 14 Prozent. Als „schwarzer Monat“ ging der Mai in die Flughafenstatistik ein: Fast 18 Prozent weniger internationale Passagiere als im Vorjahr wurden in Athen abgefertigt – eine Folge der politischen Instabilität wegen der vorgezogenen Parlamentswahl, die zu einem Patt führte.

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Gebühren werden zur Existenzbedrohung

Kommentare zu " Fluggesellschaften: „Letzter Aufruf in Athen“"

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  • Typisch Höhler, aus jeder Situation in Griechenland Vorurteile udn Untergangsstimmung generieren. Dass die Touristen nach Griechenland nun vermehrt aus dem Nahen Osten und aus Asien kommen, kein Wort davon. Und das ganze garniert mit einem Bild des alten Athener Flughafens.

  • Also bei sowas geht mir der Draht aus der Mütze.
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    Ich halte es für sehr gefährlich, wenn Sie Ihre Dräthe in der Mütze nicht entfernen lassen. Dass kann auf die Kapsel drücken.

    Zu den armen Griechen: Hier in D würden unsere Unternehmer diese obszönen Benefiz' berechtigterweise schon im Keim ersticken. Weil nämlich - im Gegensatz zu den einfachen Griechen - hier jeder weiß, dass solche Exzesse auf Dauer nicht funktionieren können. Das ist bescheidenste Buchführung, die auf Soll und Haben basiert - die jeder schwäbischen Hausfrau sagt, dass man nicht mehr ausgeben kann, als man erwirtschaftet. Und wenn die stolzen Griechen mehr erwirtschaften, als ihnen aufgrund ihrer minimalistischen Produktivität zusteht, dann ist das für jeden logisch denkenden Menschen nicht nachvollziehbar, dass sie jetzt in Depressionen verfallen, nur weil wir ihre Party nicht bis zum St.-Nimmerleinstag bezahlen wollen. Es sind die einfachen Griechen, die ihr eigenes Land jahrzehntelang im wahrsten Sinne des Wortes beschissen haben, indem sie allenfalls 20% ihrer Steuern entrichtet haben. Und es sind die einfachen Griechen, die sehr genau wussten, dass ihnen die hohen Löhne, Gehälter, Renten, Zulagen und der frühe Renteneintritt bei 80% (sic!) ihrer letzten Bezüge nicht zustand. Die stolzen Griechen mussten wissen, dass die Welt so nicht funktionieren kann - jedenfalls nicht ewig und drei Tage!

    Und jetzt entfernen Sie bitte ihre Drähte in der Mütze, bevor wir hier auf Sie verzichten müssen!

  • Also bei sowas geht mir der Draht aus der Mütze.

    Rente für tote Angehörige, keine Steueren zahlen, Steuern prellen und Rente mit 55.
    WAS hat den -der Grieche- damit zu tun? Das wurde gemacht weil es möglich war. ...(oder immer noch ist)
    Genauso würde es in Deutschland ablaufen, wenn das hier alles möglich wäre! Oder wer sagt: NEIN, behalte das Geld. - Wenn einem eine Prämie für die Bedienung des Kopieres angeboten wird? Sie etwa, Herr Edelzwicker?

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