Fluggesellschaften
Lufthansa kritisiert Hilfen für Airbus-Kunden

An vollen Auftragsbücher mangelt es Airbus nicht, allerdings an dem Vertrauen, dass die Kunden all die bestellten Flugzeuge auch werden bezahlen können. Daher plant die Bundesregierung, den Kunden des europäischen Flugzeugherstellers finanziell zu helfen. Die Lufthansa hält davon gar nichts. Da bahnt sich Streit an.

SAN JOSE DOS CMAPUS. Die zweitgrößte europäische Fluggesellschaft fürchtet Marktverzerrungen. "Konkurrenz ist gut, aber wir wollen faire Konkurrenz. Und wir wollen nicht für unsere konservative Finanzierung bestraft werden", sagte Nico Buchholz, Senior Vice President und für die LH-Flotte zuständiger Manager, am Rande einer Flugzeugübergabe an die LH-Tochter Air Dolomiti in Sao Jose in Brasilien.

Die Bundesregierung hatte Mitte der Woche angekündigt, Airlines, die wegen der zurückhaltenden Banken Probleme bei der Finanzierung neuer Flugzeuge bekommen, zur Seite springen zu wollen. Das noch nicht endgültig feststehende Programm sieht zum einen direkte Kredite für die Kunden vor, zum anderen die Absicherung von Exportfinanzierungen durch Hermes.

In den zurückliegenden Wochen hatten sich Meldungen gehäuft, wonach Fluggesellschaften zunehmend Probleme bei der Finanzierung ihrer bestellten Flugzeuge bekommen. Hinzu kommt die Nachfrageschwäche im Passagier- und vor allem Frachtverkehr. Daraufhin hat die chinesische Luftfahrtbehörde CAAC die heimischen Airlines angewiesen, geplante Neuanschaffungen zu verschieben. Alleine Airbus hat aus China rund 430 Bestellungen vorliegen. Auch der LH-Rivale Air France-KLM hatte vor wenigen Tagen erklärt, Investitionen in seine Flotte kürzen zu wollen.

Lufthansa hat Flugzeuge im Wert von rund 14 Mrd. Euro bestellt, darunter das Großraumflugzeug Airbus A380. Buchholz betonte, es werde keine Änderungen bei diesen Bestellungen geben. Die Käufe würden weitgehend aus den eigenen Mitteln bezahlt, Hilfen seien nicht notwendig. "Ein Unterschied etwa zu Air France ist sicherlich unsere konservative Finanzstruktur. Wir haben immer noch einen Investmentgrade", sagte Buchholz.

Die schwierige wirtschaftliche Situation sowie die Finanzierungsprobleme könnten sich auch negativ auf das Großraumflugzeug A380 auswirken. So prüfen offensichtlich mehrere Fluggesellschaften eine Verschiebung des Betriebsstarts. "Ich kenne mindestens drei Airlines, die über so etwas nachdenken", sagte ein Branchenkenner. Es sei einfach nicht die Zeit, zusätzliche Kapazitäten aufzubauen. Lufthansa will den ersten A 380 im Sommerflugplan 2010 in Betrieb nehmen. Das würde eine Auslieferung um den Jahreswechsel bedeuten. Daran wird sich nach den Worten des LH-Managers Buchholz ungeachtet der Krise nichts ändern.

Selbst bei den zuletzt stark nachgefragten kleineren Flugzeugen mit bis zu 120 Sitzen wirkt sich die aktuelle Krise aus. So will der brasilianische Hersteller Embraer, neben Bombardier der größte Anbieter von Regionalflugzeugen, die Produktion von kommerziellen Flugzeugen 2009 von 165 im vergangenen Jahr auf 125 reduzieren. Auch die Brasilianer berichten von ersten Finanzierungsproblemen auf Kundenseite. "Es ist nicht die Zeit für eine Expansion. Wir planen lieber konservativ und vorsichtig", sagte Mauro Kern, der Chef der Embraer-Sparte kommerzielle Luftfahrt.

Mauro bekräftigte zwar, dass es bis heute noch keine Abstellungen gegeben habe. "Wir führen aber Gespräche mit mehreren Kunden über eine Verschiebung der Auslieferung", sagte er.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%