Fluggesellschaften
Lufthansa prüft Übernahme

Die Deutsche Lufthansa will ihre führende Position in Europa weiter ausbauen. Die größte deutsche Fluggesellschaft prüft nach Informationen aus Branchenkreisen die Übernahme der führenden belgischen Fluggesellschaft Brussels Airlines. Die Lufthansa könnte sich mit der Airline eine kleinere, aber strategisch interessante Fluglinie zu einem günstigen Preis einverleiben.

DÜSSELDORF. "Die Gespräche laufen seit einiger Zeit. Die Belgier stehen auf der Liste der Übernahmekandidaten ganz oben", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter dem Handelsblatt. Bisher konnte mit den Alteigentümern keine Einigung erzielt werden, da der stark steigende Ölpreis und die unsicheren Branchenaussichten keine Bewertung zuließen. Sprecher beider Fluggesellschaften wollten dies nicht kommentieren.

Lufthansa ist mit einem Umsatz von 22,4 Mrd. Euro nach Air France-KLM die zweitgrößte Fluggesellschaft Europas. Die finanzielle Situation ist sehr solide. Im Jahr 2007 erwirtschaftete Lufthansa einen operativen Gewinn von knapp 1,4 Mrd. Euro und produzierte einen Cash-Flow von 2,9 Mrd. Euro. Die Kriegskasse ist prall gefüllt. Bei den in Europa zum Verkauf stehenden größeren Fluglinien Alitalia und Iberia hat sich Lufthansa bisher zurückgehalten. Bei einem Gebot für die marode und zerstrittene Alitalia hatte Lufthansa den Verlust des Investmentgrate-Ratings befürchtet. Die Übernahme der Iberia war Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber aufgrund des durch Übernahmegerüchte getriebenen Aktienkurses schlicht "zu teuer".

Mit Brussels Airlines könnte sich Lufthansa eine kleinere, aber strategisch interessante Fluglinie zu einem günstigen Preis einverleiben. Die Nachfolgegesellschaft der im Jahr 2001 pleitegegangenen Sabena arbeitet zwar profitabel - 2007 erwirtschaftete sie bei einem Umsatz von 921 Mill. Euro einen Nettogewinn von 23,1 Mill. Euro -, gerät aber wie andere kleinere Fluggesellschaften durch den hohen Ölpreis zunehmend in die Bredouille. In der Branche, die von hohen Fixkosten geprägt ist, haben es mittlere und kleinere Fluggesellschaften traditionell schwer. Brussels Airlines ist zudem in noch keine der drei internationalen Luftfahrtallianzen (Star Alliance, One World, Skyteam) eingebunden. Die Belgier kooperieren bisher nur bilateral - in Europa etwa mit der Swiss und international mit der indischen Jetairways, die Brüssel zu ihrem europäischen Drehkreuz ausbauen will.

Die Eigentümerstruktur von Brussels Airlines ist heterogen. 70,1 Prozent der Anteile gehören einem Konsortium von 40 belgischen Investoren. Größter Anteilseigner ist seit der Fusion mit der Billigfluglinie Virgin Express Ende 2004 deren Muttergesellschaft Virgin Atlantic von Richard Branson. Brussels Airlines würde das Netz der Lufthansa und ihre im Jahr 2005 übernommene Tochter Swiss gut ergänzen. Die Fluggesellschaft ist im Interkontinentalverkehr, dem Wachstumssegment der Lufthansa, schwach aufgestellt. Ihr Heimathafen Brüssel verspricht als heimliche Hauptstadt Europas jedoch ein hohes Aufkommen an Geschäftskunden.

Dass Lufthansa sich in Europa durch Expansion und Übernahmen stärker aufstellen und Air France-KLM die Führungsrolle streitig machen will, dafür gibt es zwei weitere aktuelle Beispiele. Erst am Freitag hatte Lufthansa-Finanzvorstand Stephan Gemkow angekündigt, die britische BMI übernehmen zu wollen. Den derzeitigen Anteil von 30 Prozent minus einer Aktie könnte Lufthansa durch Verträge mit den anderen Anteilseignern relativ geräuschlos und günstig aufstocken. Entsprechende Rückstellungen gibt es bereits in der Bilanz.

Am Montag kündigte Lufthansa an, am Flughafen Mailand-Malpensa sechs Regionaljets stationieren zu wollen. Das Angebot soll aus Norditalien ab dem Jahr 2009 fast verdoppelt werden. "Lufthansa nutzt die Schwäche der Alitalia aus und erschließt sich einen lukrativen Markt", sagte Ulrich Horstmann von der BayernLB.

Tanja Kewes
Tanja Kewes
Handelsblatt / Chefreporterin
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