Fluggesellschaften
Lufthansa verdreht Investoren den Kopf

Bei überraschenden Pflichtmitteilungen läuten bei Investoren schnell alle Alarmglocken Sturm. So auch dieses Mal bei der Lufthansa. Fraglich ist bei der Meldung der Airline nur, ob diese nun negativ oder nicht doch eher positiv zu bewerten ist. Die Börse reagierte so - und so.

FRANKFURT. Die Lufthansa hat mit einer überraschenden Pflichtmitteilung für Verwirrung bei den Investoren gesorgt. Zwar teilte der Konzern mit, dass das operative Ergebnis im gerade zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2008 rund 1,3 Milliarden Euro betragen wird und damit 200 Millionen Euro mehr als ursprünglich in Aussicht gestellt. Gleichzeitig warnte das Management aber vor einem schwierigen Jahr 2009. "Die weitere Geschäftsentwicklung ist daher zum jetzigen Zeitpunkt mit deutlich höheren als den sonst üblichen Risiken behaftet", heißt es wörtlich.

Die Informationen sorgten bei Anlegern für ein Wechselbad der Gefühle. Nachdem die Lufthansa-Aktie zunächst um drei Prozent in den Keller sauste erholte sch das Papier binnen weniger Minuten wieder und notierte dann mit über drei Prozent im Plus. Offenbar haben die Investoren Schwierigkeiten mit der richtigen Interpretation der Informationen.

Tatsächlich leitet die reine Anhebung des Ergebnisziels für 2008 in die Irre. Nach Angaben von Lufthansa ist die Ursache für die erfreuliche Entwicklung in erster Linie der deutlich gesunkene Treibstoffpreis. Zwar sichert sich die zweitgrößte Airline in Europa traditionell langfristig gegen diese Preisschwankungen ab, profitiert damit von fallenden Notierungen nur begrenzt und mit Verzögerung. Da jedoch der Anteil der abgesicherten Treibstoffmenge bereits nach dem dritten Quartal 2008 deutlich gesunken war, konnte Lufthansa bereits im vierten Quartal durchaus positive Effekte aus den niedrigeren Kerosinpreisen ziehen.

Eine Aussage über den tatsächlichen Geschäftsverlauf im vierten Quartal lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Lufthansa selbst spricht vielmehr von "Erlösausfällen durch eine spürbar nachlassende Nachfrage". Die wiederum scheint sich auch zu Jahresbeginn fortzusetzen. So berichtet der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) von einer desolaten Entwicklung. "Im Moment sehen wir uns sowohl in der Fracht als auch in der Passage einem Nach-fragerückgang im zweistelligen Prozentbereich gegenüber", erklärte BDF-Präsident Ralf Teckentrup.

Auch das Lufthansa-Management baut für schlechtere Zeiten vor. "Lufthansa wird die Entwicklungen weiterhin eng verfolgen und gegebenenfalls mit erforderlichen Maßnahmen reagieren", heißt es. Bislang hat Lufthansa für 2009 noch keine Prognose abgegeben.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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