Fluggesellschaften
Wenig Lust auf Hochzeit ohne Mitgift

Der Enthusiasmus für die Fusion der Fluggesellschaften British Airways (BA) und Iberia lässt nach. Nach den Spaniern äußern sich jetzt auch die Briten sehr vorsichtig zu den Aussichten, dass die im Juli 2008 verabredete Ehe bald geschlossen wird. Beide Airlines rutschen in die roten Zahlen – und denken nur noch an eine lockere Notgemeinschaft.

LONDON. Die Verhandlungen liefen, doch das Hauptproblem bleibe die Frage der Unternehmensführung, sagte am Freitag BA-Chef Willie Walsh. Doch die Zeit drängt. Die Finanzlage beider Unternehmen hat sich so drastisch verschlechtert, dass sie Synergien aus einer Fusion gut gebrauchen könnten. BA schockierte die Anleger sogar mit einem Rekordverlust.

BA und Iberia haben vereinbart, dass sie eine Dachgesellschaft gründen wollen, unter der die beiden Fluggesellschaften relativ selbstständig weiterarbeiten sollen. Doch Knackpunkte in den Verhandlungen sind offenbar, wer wie viele Anteile an der Holding erhält und wer sie führt. BA dachte ursprünglich an eine Verteilung von 65 zu 35 Prozent zugunsten der britischen Seite, während die Spanier ungern den Juniorpartner geben wollten. Nachdem sich zu Jahresanfang der Börsenwert der Partner angeglichen hatte, schien sich eine Einigung bei 55 zu 45 Prozent anzubahnen. Inzwischen ist allerdings BA mit 2,1 Mrd. Euro wieder deutlich mehr wert als Iberia mit 1,5 Mrd. Euro.

Dafür sorgen sich die Spanier um das hohe Defizit in der Pensionskasse von BA. Das will BA bis 2016 nach und nach abbauen. Doch das werde länger dauern, warnen Analysten. Die Kursverluste an den Finanzmärkten dürften neue Löcher in die Kasse gerissen haben. Im Spätsommer wird sich zeigen, wie tief. Dann legen die Wirtschaftsprüfer ihre Bewertung vor. Die Analysten der Citigroup schätzen, dass sich das Defizit mindestens auf drei Mrd. Pfund verdoppelt haben wird.

Jedenfalls ist es auffallend ruhig geworden um die Verhandlungen. Vor zwei Wochen räumte der Finanzchef von Iberia, Enrique Dupuy, ein, dass die Unsicherheiten an den Finanzmärkten und die Krise der Luftfahrt die Verhandlungen erschwerten. Am Freitag äußerte sich BA-Chef Walsh sehr wortkarg zu dem Thema. Es gebe nichts Neues, bügelte er Fragen ab. Bis Oktober hoffe er auf eine Ausnahmegenehmigung der US-Behörden für eine Dreier-Allianz mit American Airlines für den Transatlantikverkehr. Dann könnte BA mit Air France-KLM und Delta gleichziehen, die ein Joint-Venture für diese Routen gegründet haben.

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