Flughäfen
BAA konzentriert sich auf Heathrow

Heathrow soll weiter wachsen. Jetzt will der Flughafen-Betreiber BAA eine dritte Landebahn bauen. Damit konzentriert sich seine Strategie noch stärker als bisher auf das Londoner Drehkreuz. Mit gutem Grund.

LONDON. Der weltgrößte Flughafenbetreiber BAA richtet seine Strategie noch stärker auf das Londoner Drehkreuz Heathrow aus. Mit der Erlaubnis, dort eine dritte Landebahn zu bauen, gewinnt Heathrow an Gewicht innerhalb der Flughafengruppe, die dem spanischen Konzern Ferrovial gehört. Außerdem wird erwartet, dass die britische Kartellbehörde BAA im März zwingen wird, mehrere Flughäfen abzustoßen. Der Verkauf des zweitgrößten Londoner Flughafens Gatwick läuft bereits.

Die Eröffnung des Terminals 5 in Heathrow im vergangenen Frühjahr war der erste große Schritt zur Modernisierung des Flughafens. Im Rahmen des laufenden Investitionsprogramms werden auch die anderen Terminals modernisiert und die Fluggesellschaften nach Luftfahrt-Allianzen auf die Abfertigungsgebäude verteilt. BAA gibt dafür bis zum Jahr 2013 rund 4,3 Mrd. Pfund (4,8 Mrd. Euro) aus. Die Regierung hat vor kurzem dem Bau einer dritten Start- und Landebahn und eines sechsten Terminals grundsätzlich zugestimmt.

Heathrow halte sich auch in der gegenwärtigen Krise im Vergleich zu den großen europäischen Konkurrenten gut, teilte BAA mit. Die Passagierzahlen sanken hier 2008 um 1,4 Prozent auf 67 Millionen. Im Schlussquartal beschleunigte sich das Minus auf 3,6 Prozent. Allerdings sei das weniger gewesen als die Einbußen in Frankfurt, Madrid-Barajas und Amsterdam-Schiphol, was daran liege, dass Heathrow einen besonders großen Anteil an Langstreckenflügen habe.

Der Umsatz der BAA-Gruppe ist 2008 um 15 Prozent auf 2,1 Mrd. Pfund gestiegen. Das liegt vor allem an den von der Regulierungsbehörde genehmigten höheren Flughafengebühren, gegen die viele Fluggesellschaften energisch protestiert haben. Der Nettoverlust fiel jedoch mit 1,9 Mrd. Pfund fast genauso hoch aus. Das lag an zwei Faktoren: Zum einen hat BAA eine außerordentliche Steuerbelastung von 1,1 Mrd. Pfund gebucht, weil die britische Regierung die Abschreibungsbedingungen für Gewerbeimmobilien verschlechtert hat. Zum anderen ist die Gruppe so hoch verschuldet, dass sich die Finanzierungskosten auf 1,3 Mrd. Pfund beliefen. Noch dazu nahm die Gruppe Wertberichtigungen von 337 Mio. Pfund vor. Aber auch wenn man all diese Sonderbelastungen herausrechnet, sank der operative Gewinn noch um 17 Prozent auf 369 Mio. Pfund.

Die hohen Nettoschulden von 12,1 Mrd. Pfund stammen im wesentlichen aus der kreditfinanzierten Übernahme durch Ferrovial im Jahr 2006. Nach einer mühsamen Umschuldung im vergangenen Jahr beträgt der durchschnittliche Zinssatz der Gruppe 6,5 Prozent. Bald nach der Übernahme wuchs die Kritik an mangelndem Wettbewerb zwischen den britischen Flughäfen. Eine Überprüfung der Kartellbehörde bestätigte das und sie kündigte an, BAA den Verkauf mehrerer Flughäfen vorschreiben zu wollen.

BAA hat schon vor der für März erwarteten endgültigen Entscheidung eine Auktion für den Flughafen Gatwick südlich von London gestartet. Er ist mit 34 Mio. Passagieren im Jahr die Nummer zwei in Großbritannien. Analysten glauben, dass das Unternehmen auch ohne die Kartellprüfung Flughäfen verkauft hätte, um die Schuldenlast zu verkleinern. Die Finanzkrise bewegte jedoch mehrere Bieter zum Rückzug, unter anderem den deutschen Baukonzern Hochtief. Die Kartellbehörde wird nach Einschätzung von Beobachtern auch eine Trennung von London-Stansted, der Nummer drei im Portfolio mit 22 Mio. Passagieren, und einem der schottischen Flughäfen Glasgow oder Edinburgh anordnen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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